Zurück auf Los, bitte!

Also gut, wieder zurück nach Chiang Mai. Entweder im Minivan, wie es die Touristen hier fast alle machen, oder im Local Bus für deutlich weniger Geld. Natürlich haben wir uns für die zweite Variante entschieden. Denn „local“ reisen ist viel authentischer und die Erlebnisse sind einfach schöner. Wir sind hier allerdings auch Sparfüchse. Teilweise sind wir selbst etwas erschrocken darüber. Aber unsere kaufmännische Ader ist durch die zweieinhalb Jahre Café deutlich gewachsen. Und da wir uns für diese Reise ein halbwegs festes Budget gesetzt haben, bedeutet jede Sparmaßnahme eine eventuelle Verlängerung.

So tuckerten wir wieder in einem dieser roten Busse durch die kleinen Städte, Leute stiegen aus, andere ein. Nach einer kurzen Pause wechselten wir die Sitzplätze, da unsere durch ein älteres Pärchen besetzt war. Aber egal. Es war viel los, das Auto gut gefüllt. Und wir waren dann nach vier Stunden doch ganz froh darüber, angekommen zu sein.

Wir suchten uns ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs, informierten uns über die Möglichkeiten der Weiterreise und beschlossen nach Tak zu fahren. Eine Stadt, unweit von Mae Sot, die wir eigentlich auf direktem Wege erreichen wollten. Nun eben über den Umweg Chiang Mai. Herrlich, wie routiniert wir bereits sind. Keine Aufregung, kein „Hilfe, wie geht das jetzt“. Gezielt geht’s zu den richtigen Schaltern um die Bustickets zu kaufen, entspannt laufen wir am Rand der Straße entlang, da der Bürgersteig entweder vollgestellt oder einfach unbequem da kaputt ist, wie von selbst nehmen wir nicht den Preis für das Hotelzimmer, der uns genannt wird und der auf Schildchen auf dem Tresen steht, sondern nennen einen deutlich niedrigeren, den wir im Internet zuvor gefunden haben. Ach es ist auch toll. Wenn man sich etwas auskennt und weiß wie der Hase läuft. Auch wenn das Neue natürlich auch seine Reize hat und wir ja aus den vielen gemachten Fehlern erst gelernt haben und zu diesem Wissen gelangt sind.

So haben wir auch nach Tak wieder unsere Fahrkarten am Schalter mit der Nummer 999 gekauft. Dem Local-Schalter. Man muss sich das wie folgt vorstellen. Je nach Größe der Stadt oder des Busbahnhofs gibt es eine große Halle. Ähnlich eines Flughafens. Meist drum herum sind die Bushaltestellen aufgestellt, jeder mit eigener Nummer und Schild, wohin die Busse jeweils fahren. In dieser Halle, die sich durchaus auch auf zwei Etagen erstrecken kann, oder am besten gleich in zwei Hallen aufgeteilt ist, befinden sich nebeneinander unzählige kleine Schalter. Jeder mit einer eigenen Nummer, jeder gehört irgendwie einem anderen Busunternehmen aber alle bieten Tickets an. Teilweise stehen die Ziele auf den Scheiben der Schalter, teilweise aber auch nicht. Mal mit Preisen und mal ohne. So könnte man jetzt von Schalter zu Schalter gehen und fragen, wohin deren Busse fahren, was die Tickets kosten und auch wie lange die Busse unterwegs sein werden. Denn der eine fährt direkt, der andere durch kleine Dörfer. Der eine ist besser ausgestattet, der andere hat gar keine Ausstattung. Klimatisiert oder nur mit Ventilatoren bestückt. Mit Sitzplatzreservierung oder ohne. Also alles ist möglich und es ist eine irrsinnige Flut an Informationen. Und besonders schlimm wird es, wenn man noch gar nicht genau weiß wohin es eigentlich gehen soll. Wie meist in unserem Fall. Aber es gibt eben diesen einen Schalter Nummer 999, der, zumindest haben wir es für uns so herausgefunden, die Tickets für die staatlichen Busse verkauft. Um einiges günstiger und nicht unbedingt qualitativ schlechter. Ganz im Gegenteil. Die Fahrt nach Tak war der reinste Luxus (gemessen an dem was wir sonst so gewohnt sind, in Deutschland wäre es wohl „nur“ standard). So saßen wir am nächsten Tag ganz oben und ganz vorn in einem äußerst komfortablen Reisebus. Mit weichen Sitzen, Lehnen zum Nach-hinten-klappen, Beinfreiheit und dem besten Blick überhaupt. Erhaben glitten wir über die Straßen, schauten über die anderen Autos hinweg und genossen mal wieder die perfekte Aussicht. Und gönnten uns bei so viel Bequemlichkeit erstmal ein kurzes Nickerchen.

Als wir in Tak angekommen sind, war ich noch voller Vorfreude. Zwar haben wir nur wenig über die Stadt im Internet gefunden, dafür aber nur Gutes. Tolle Natur rundherum, viele Berge, ein paar Höhlen, Wasserfälle und Thailands größten Staudamm, vereint in einer Stadt. Zur Unterkunft war es zu weit zum Laufen, also musste ein Tuktuk her. Kleine Stadtbusse waren am Bahnhof leider nicht zu finden. Wir checkten in einen Bungalow ein, wieder mitten im Grünen, aber dafür weit ab vom Schuss. Also ein Moped musste her. So sind wir den langen Weg ins Stadtzentrum rein, immer weiter und weiter, Kilometer für Kilometer. Und meine Laune sank mal wieder ins Bodenlose. Wahrscheinlich ist das eine meiner Aufgaben dieser ganzen Reise, statt genervt zu sein, die Dinge hinzunehmen. Wenn etwas nicht klappt, dann kann ich es entweder ändern, oder aber eben nicht. Da kommt der Buddhismus wieder ins Spiel. Und da brauche ich wohl noch einige Nachhilfestunden. Denn nein, es ist mir nicht gelungen. Kein Moped, dafür eine Menge schlechter Laune. Ich kämpfte. Mit mir. Mit dieser Laune. Wir sind knapp 15 Kilometer gelaufen und haben nicht ein einziges Moped zum Ausleihen gefunden. Die Laune hat leider gesiegt. Wenn auch nur knapp. Ich habe wirklich alles gegeben.

Herunter schlucken, Augen zu und zurück zum Bungalow. Was habe ich mich geärgert. Auch über mich selbst. Denn die Stadt ist total schön. Hat einen großen Fluss, über den eine 200-jährige Holzbrücke führt, einen schmalen Park daneben, eine Art Einkaufsstraße mit etlichen Garküchen und zwei kleine Seen. Hätte unsere Unterkunft ein Moped- oder auch nur einen Fahrradverleih gehabt, ich wäre der glücklichste Mensch gewesen. So aber wollte ich nur auf die Zurückspul-Taste drücken und noch mal von vorn anfangen.

Die Schönheit einer Stadt, ja vielleicht sogar das ganze Leben, hängt von so unendlich vielen Faktoren ab. Wen man trifft, was man erwartet, von welcher Perspektive man drauf sieht… Da ist es schon fast egal, ob es in Strömen regnet oder die Sonne scheint. Und genau das muss ich mir immer wieder bewusst machen. Man selbst bestimmt seinen Tag, seinen Weg, sein Leben. Und je offener und erwartungsloser  man durch dieses geht, desto schöner ist es. Fehltritte sind nichts Schlechtes, sie bringen dich weiter. Vorausgesetzt du lernst aus ihnen. Und ohne schlechte Erfahrungen, sind die guten nichts Besonderes mehr, sondern entwickeln sich zur Normalität. Jeder weiß das. Doch ich muss es mir hin und wieder erneut sagen. Hiermit getan.

Auf dem Rückweg sind wir dann noch schnell an einem anderen Hotel vorbei, denn unser Bungalow ist eindeutig zu weit außerhalb. Der Vorteil für uns ist ja, dass wir uns in der totalen Nebensaison befinden. Denn von Mai bis Oktober ist es entweder viel zu heiß oder es regnet den ganzen Tag. So die Vorurteile, in allen Reiseführern und Blogs zu lesen. Und ja, es ist warm, manchmal auch sehr heiß, aber man arrangiert sich mit der Hitze und entspannt während der Mittagszeit gemütlich im Bett oder unter einem schattigen Baum in einem Park oder geht für zwei Stunden ins klimatisierte Café oder gar zur Massage. Es gibt doch wirklich Schlimmeres. Und ja, es regnet hier. Und auch mal etwas länger als fünf Minuten. Aber es ist herrlich! Es kühlt ab, die Luft riecht nach Feuchtigkeit und die Straßen werden ein Mal komplett sauber gespült. Für uns also die beste Reisezeit. Denn nicht selten sind wir allein in unserer Unterkunft. Ob im großen Hotelkomplex oder in einer kleinen Ferienhausanlage. Die Inhaber freuen sich, dass überhaupt jemand kommt und geben obendrein noch ordentlich Preisnachlass. Was will man denn mehr? Keine Touristenmassen in der Stadt, dafür winkende und kichernde Thailänder auf der Straße und viel, viel Ruhe. Können wir nur jedem empfehlen. Nebensaison!

Aber zurück zum Hotel. Gleicher Preis, gleicher Standard, aber mitten in der Stadt. Also buchten wir für die übernächste Nacht, um noch mal neu anzufangen. Damit Tak kein kleiner Punkt auf unserer Route bleibt, sondern sich mit Bildern und Erlebnissen füllt. Und wie aufs Stichwort kommt ein Agent der Touristenpolizei zu uns, ja, sowas gibt es hier in jeder Stadt, drückt uns eine Karte mit den Highlights von Tak in die Hand und organisiert uns für den nächsten Tag 10 Uhr einen Transport von unserem Bungalow hier her ins Hotel. Leider bestätigte er uns auch, dass es keinen Verleiher für Mopeds gibt. Dafür sind wir dann wohl zu weit abseits der Touristenpfade. Und so wurden wir vom Hotelangestellten höchst persönlich mit seinem privaten Auto heute Morgen abgeholt und her gefahren. Zwar für einen guten Preis, jedenfalls einen guten für ihn, aber wir waren glücklich und konnten noch mal neu anfangen. Also dann, willkommen in Tak!

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