Unsere Eindrücke in Bangkok

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Zwei Nächte haben wir gebucht. In einem Hotel, direkt am Bahnhof. Um schnell überall hin zu kommen. Denn wir bekommen nächste Woche Besuch und brauchen statt zwei dann drei Betten. So machten wir uns auf und liefen quer durch die ganze Stadt. Guckten uns jedes Hotel und jedes Zimmer an. Stundenlang. Verglichen Preise und Komfort. Das eine war günstiger aber schlechter gelegen, ein anderes teurer aber mit Frühstück.

Keine Ahnung wie viele wir besichtigten, aber nach 14 Kilometer Fußmarsch gab es endlich eine Entscheidung und Buchung. Völlig erschöpft lagen wir abends auf den Betten. Draußen war es bereits dunkel, als ich mir auf dem Balkon eine Zigarette anzündete. Am Horizont blitzte es. Über mir leuchtete ein Stern am Himmel, von Wolken oder gar Regen keine Spur. Ich dachte mir nichts dabei.

Uns taten so die Füße weh, dass wir statt raus in eine Garküche, unten ins Hotelrestaurant gingen. Da pingte es auf Markus seinem Handy. Eine Eilmeldung der Focus-App. „Bombenexplosion in Bangkok“. Was??? Außer der Meldung selbst gab es kaum weitere Informationen. Doch die deutschen Medien überschlugen sich online. Ort des Geschehens war eine Kreuzung in der Innenstadt. Nicht wirklich weit entfernt von unserem Hotel.

Die Blitze, schoss es mir durch den Kopf. Vorhin am Horizont. War es die Explosion? Wir orteten die Richtung unseres Balkons. Nein, falsche Seite. Eine Nachricht nach der anderen trudelte herein. Alle deutschen Nachrichtenportale berichteten über die Bombe. Wir tippten Mitteilungen an unsere Familien ins Handy, dass es uns gut geht. Um uns herum dabei war alles wie immer. Keine Aufregung, nichts. Wir bekamen unser Essen mit einem kühlen Lächeln. Nichts Besonders.

Was macht man in einem solchen Moment? Nicht rausgehen, das war uns klar. Wir waren eh zu müde. Also aßen wir unser Essen und beobachteten die Berichterstattung weiter online auf den Handys. Da liefen die ersten Bilder auf dem Fernseher, der schräg über uns hing. Bilder einer Überwachungskamera, die die Explosion aufgenommen hatte. Ein gelber Feuerball auf einer Kreuzung und ein paar davon laufende Menschen. Dann weitere Bilder, etwas weiter entfernt gedreht, auf denen ein Feuer und Chaos zu sehen war. Endlosschleife. Immer wieder die gleichen Bilder. Ein Auto mit lauten Sirenen fuhr an unserem Hotel vorbei. Ein zweites folgte.

Eine komische Situation. Hätten wir keinen Ping aufs Handy bekommen, wir hätten die Bilder auf dem Fernseher nicht gesehen, denn Fernseher laufen hier in Thailand den ganze Tag und überall. Auch ein Auto mit Sirenen ist nichts Besonderes. Doch mit dem Wissen des Anschlags im Hinterkopf ein komisches Gefühl. Ein Mann, jemand vom Personal, setzte sich auf einen Stuhl neben uns und guckte auf den Fernsehbildschirm, aber ansonsten änderte sich nichts. Niemand sagte uns etwas, niemand verhielt sich anders als sonst. Also gingen wir zurück aufs Zimmer.

Wir veröffentlichten eine Mitteilung auf Facebook. Eine kurze Nachricht, dass sich um uns niemand Sorgen machen soll. Die Resonanz überwältigte uns. Anscheinend hatten es bereits alle in Deutschland mitbekommen. Hier dagegen ging man im Fernsehprogramm wieder zum Alltag über.

Am nächsten Morgen weiterhin nichts. Durch Zufall sahen wir beim Frühstück auf einer internationalen Tageszeitung eine Schlagzeile zur Explosion auf der Titelseite. Aber eine Veränderung der Stimmung war nicht zu spüren. Auch nicht auf der Straße, als wir mit dem Tuktuk durch die Stadt zu unserem neuen Hotel fuhren. Kurze Zeit vergaßen wir sogar das Ereignis, so gewöhnlich spielte sich das Leben ab. Wir erkundeten unseren neuen Kiez, tranken hier und da einen Icecoffee und genossen es, wieder in Bangkok zu sein.

Erst später, als uns die Meldung einer weiteren Bombe erreichte, kam das Thema wieder hoch. Eine Bombe, die Touristen auf einem Pier treffen sollte, aber glücklicher Weise ins Wasser fiel. Keine weiteren Fakten, aber erneut viele weitere Meldungen aus Deutschland. Wir lasen diverse Artikel. Mutmaßungen, neue Zahlen der Verletzten vom Anschlag am Tag zuvor, ein paar wenige neue Hinweise.

Ich schrieb mit meinen Eltern ein paar Mails hin uns hier, denn die Sorge um uns in der Heimat wuchs, trotz Beruhigung meinerseits. Ich ließ mich sogar etwas anstecken von der Sorge, obwohl es um uns herum weiterhin ruhig und entspannt blieb. Wir gingen nur um die Ecke etwas Essen, statt wie geplant zur Kaosan Road, dem Ort überhaupt hier in Bangkok für Touristen und vor allem für Backpacker. Und wieder nichts. Wir scherzten mit den Inhabern der Eckküche, beobachteten das herrliche Treiben um uns herum und genossen das leckere Essen.

Nun sitzen wir einen Tag später in einem Café. Unserem neuen Stammcafé. Denn der Kaffee ist lecker, das Internet gut und die schattigen Plätze bequem. Seit gestern Abend ist nicht mehr viel passiert. Sie haben wohl einen verdächtigen dessen Bilder überall veröffentlicht wurden, aber gefasst haben sie ihn noch nicht. Wer dahinter steckt weiß auch noch niemand. Wie bei den Anschlägen Anfang dieses Jahres, die ebenfalls noch nicht aufgeklärt sind und über die sich hier irgendwie auch niemand einen Kopf macht. Das Leben geht gefühlt wie gewohnt weiter. Vielleicht, weil wir nicht mitten in der Stadt sind. An keinem Touristenpunkt. Allerdings laufen auch im Fernsehen nur die üblichen kitschigen Serien und quitschbunten Spiel- und Castingshows. Von Neuigkeiten zum Anschlag keine Spur.

Bekommen wir es einfach nur nicht mit? Oder überspitzen die Medien in Deutschland das Thema? Statt Hintergründe und Fakten lesen wir immer mehr reißerische Schlagzeilen und emotionale Geschichten von deutschen Touristen, die nun überlegen wieder abzureisen. Das Auswärtige Amt mahnt zur Vorsicht und Meidung der Sehenswürdigkeiten. Völlig zurecht und verständlich. Wir halten uns daran. Aber zum Abreisen raten sie nicht.

Eine komische Situation, denn wir erleben die Menschen und die Stadt wie gehabt. Stände werden auf und wieder abgebaut, der Verkehr rollt und quält sich teilweise durch die Straßen, Garküchen und Restaurants sind geöffnet und die Menschen lächeln oder auch nicht, wie immer.

Wir werden also die Lage weiter beobachten. Uns über das Internet informieren. Aber wir wollen uns nicht verrückt machen lassen. Zumindest nicht von den Medien. Sobald es weitere Fakten oder gar Anschläge gibt, werden wir rechtzeitig verschwinden. So lange jedoch bleiben wir hier. Laufen zwar nicht durch die Stadt, aber verkriechen uns auch nicht tagelang im Hotel. Und dann hoffen wir sehr, dass sich das Attentat rasch aufklärt und sich die Situation beruhigt.

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2 Comments

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  1. Kosel-Andriczka

    19. August 2015 — 15:53

    Hallo Ihr Lieben,
    bis in den letzten Winkel unserer Gärten kam diese schreckliche Botschaft. Wir sind froh, dass Ihr gesund und munter seid!!! Wir hoffen, dass Eure Traumreise nicht getrübt wird und Euer Reiseziel auch noch in Erfüllung geht.
    Habt Ihr unsere bebilderte Buschfunkmail vom 6.8. erhalten?
    Ganz liebe Berliner Grüße
    M&W und die ganze Sippe

    • Markus & Felix

      20. August 2015 — 2:01

      Hallo ihr Zwei,

      vielen Dank. Wir sind weiterhin wohlauf und munter. Und nein, eure Buschfunkmail kam leider nicht an. Schickt sie doch bitte, bitte nochmal raus. Wir sind ja immer sooo neugierig, was in Berlin alles passiert.

      Liebste Grüße aus der Sonne,
      Markus & Felix

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