Traumurlaub auf Koh Chang

Traumurlaub auf Koh Chang

Kühlpuder. Das ultimative Mittel der Thailänder gegen Schweiß. Und ja, es kühlt. Es brennt. Als hätte ich mich mit Minze eingeschmiert. Es riecht allerdings wie ein sportliches Duschgel, was die Frische gleich noch in die Nase bringt. Ja wir lassen nichts aus auf unserer Reise. Probieren alles aus, was uns über den Weg läuft.

Auf diese Idee hat uns unsere süße Thailänderin vom Frühstückscafé gebracht, als wir sie erwischt haben, wie sie sich gerade hinter dem Tresen vor einem kleinen Handspiegel ihr Gesicht weißte. Etwas verlegen und kichernd zeigte sie uns ihr Fläschchen mit Babypuder. Darauf besorgten wir uns dieses im Supermarkt und probierten es aus. Und es hilft. Zumindest für einen kurzen Moment. Also recherchierte Markus im Internet und entdeckte dieses Kühlpuder, welches wir soeben erstanden haben. Und so sitzen wir hier wohl riechend und frisch gepudert in jenem Café, während unser Zimmer gereinigt wird.

Nur noch zwei Tage. Die Zeit verging so rasend schnell. Dabei haben wir gar nicht so viel gemacht. Oder doch? Einen einzigen Ausflug haben wir gebucht. Einen von drei, die hier während der Nebensaison angeboten werden. Zwei kamen leider nicht in Frage: Wanderung zum höchsten Punkt der Insel und eine mittelschwere Dschungeltour. Wir haben geliebäugelt mit beiden. Aber als wir das erste Mal diese riesige, handflächengroße Spinne gesehen haben, war sofort klar, dass wir nicht mal einen halben Tag im Dickicht verbringen werden. Und wer jetzt lacht, der kann sich entweder kein Bild von der Größe dieser Viecher machen oder hat einfach mehr Mut als wir. Bei letzterem ziehen wir den Hut, lassen uns aber davon keineswegs beeindrucken. Unsere Begegnungen reichen uns. Wie die gestrige. Wir fuhren mit dem Moped eine einsame Straße entlang, rechts und links eroberte sich die Natur das gestohlene Stück Land zurück und das Grün wucherte in die Höhe, weit über unsere Köpfe hinaus. Und wie aus dem Nichts erblickte ich das Ungetüm. Sie saß genau in der Mitte ihres Netzes, welches von der Sonne glitzernd angestrahlt wurde. Vor uns. Über der Straße. Zwischen den Sträuchern am Seitengraben. Wir auf dem Moped. Fahrend. Zu schnell, um anzuhalten.

Ich hab mir fast in die Hosen gemacht, konnte nur ein „Achtung“ schreien, mich ducken und mitten durch. Und musste immer schön ruhig bleiben mit der Hand. Loslassen und ins Gebüsch fahren wäre keine gute Alternative gewesen. Und aus Schreck den Gasdrehgriff betätigen und damit Beschleunigen wohl auch nicht. Aber das soll mal jemand machen in den zwei Sekunden voller Schreck.

Markus saß hinter mir auf dem Moped. Etwas höher als ich. Und er wusste überhaupt nicht was los war, duckte sich aber im Reflex mit. Was gut war. Denn das Spinnennetz war nur gefühlte zehn Zentimeter über uns. Hilfe, hilfe, was für ein Schock. Aber wir sind drunter durch. Haben es geschafft. Denn auf dem Rückweg wachte sie immer noch dort oben. Die Herrin der Straße. Und mit dem Wissen, dass sie da ist, ist es nicht besser gewesen. Aber wenn wir ein Mal drunter gepasst haben, dann auch ein zweites Mal. Puh.

Und mit diesen Erfahrungen im Dschungel spazieren gehen? Nein danke. Auf diese Mutprobe haben wir beide keine Lust. Allein die Weiterfahrt war kein Spaß, denn bei jedem Ast, der sich über die Straße neigte, raste mein Herz schneller.

Traumurlaub auf Koh Chang

Also blieb uns nur die Schnorcheltour. Vor dem Gästehaus wurden wir abgeholt, pressten uns mit den anderen hinten ins Sammeltaxi und fuhren zum Fischerdorf hinunter, das wir ein paar Tage zuvor schon entdeckt haben, mit den wunderschönen Ausblicken und dem Leuchtturm am Ende des langen Steges. Mit zig anderen wurden wir auf drei große Boote verteilt und tuckerten los. Glücklicher Weise hatten wir eine lange Holzbank für uns allein und somit etwas Platz zum Ausbreiten. Über 60 Passagiere konnten wir zählen, über 100 passen ganz bestimmt rauf, wenn alle etwas zusammenrutschen. Es lebe die Nebensaison!

Nach einer längeren Fahrt, an vielen kleinen und großen Inseln vorbei, kamen wir am ersten Stopp an. Vier Inseln an einem Tag lautete die Überschrift der Tour. Dies war also die erste. Brille auf, Schnorchel in den Mund und rein ins Wasser. Alle. Eine kleine Massenveranstaltung, denn nicht nur unser Boot ließ hier seinen Anker in den Boden rasseln.

Kaum waren wir alle im Wasser, begann das große Füttern. Milchbrötchen wurden ins Wasser direkt neben uns geworfen, über die sich schlagartig Schwärme von Fische hermachten. Ein irrsinniges Gewusel begann. Einerseits toll zu beobachten, denn wir befanden uns mitten drin, umzingelt von in der Sonne schillernden Meeresgetier. Tausende! Auf der anderen Seite hätten wir uns so allerdings auch in ein großes Aquarium setzen können, denn mit den Erlebnissen, die wir auf den Malediven hatten, hatte das hier so gar nichts zu tun. Also schnorchelten wir etwas abseits der Menschenmassen und fanden zumindest ein paar schöne Korallenbänke. Nicht ganz so bunt und vielfältig, aber immerhin. Auch die Artenvielfalt der Tiere war sehr begrenzt. Und trotzdem genossen wir es, endlich wieder zu schnorcheln. Lange ist es her, als wir das letzte Mal in Ägypten Unterwasserbeobachter waren. Und noch nie zuvor haben wir so viele Seeigel gesehen. Mit weißen Augen blinzelten sie uns zu und öffneten hier und da ihren roten Mund. Zumindest sah es für uns so aus. Wahrscheinlich haben sie weder Augen noch Mund. Markus, bitte gleich mal googeln.

Zur nächsten Insel fuhren wir keine zehn Minuten. Die Crew, die aus sehr jungen Thailändern bestand, legte den Anker, lockte die Fische mit Brot und das Treiben begann von vorn. Das gleiche Spiel. Wahrscheinlich die gleichen Fische, die uns heimlich gefolgt sind. Nur die Korallen waren noch etwas schöner. Doch kein Feuerfisch, keine Rochenfamilie, keine Moränen. Schade eigentlich, dass man immer die Vergleiche im Kopf hat. Man erwartet innerlich dann doch immer, dass es schöner und spektakulärer sein würde. Dabei lernen wir doch gerade im Hier und Jetzt zu sein. Die Dinge so anzunehmen, wie sie sich vor uns ausbreiten. Tja, das müssen wir dann wohl doch noch lernen.

Unser dritter Stopp befand sich nur etwa 100 Meter weiter auf der direkten Nachbarinsel. Wahrscheinlich hätten wir auch hinüber schwimmen können, doch wer weiß, ob wir dann alle Schnorchler wieder eingesammelt hätten zwischen all den anderen Booten. Hier hieß es Mittag essen. Thai Food Buffet, wie es in der Tourbeschreibung hieß. Und es war erstaunlich lecker. Grünes Curry, eine Art Pad Thai und Hähnchen Süßsauer mit Ananas. Dazu natürlich eine große Portion Reis. Wir machten es uns auf unserer Holzbank gemütlich und schaufelten gleich zwei Teller in uns hinein. Wer weiß, wann es das nächste Mal wieder essen gibt? Jaja, wir Touristen… Die Rutsche wurde vom Oberdeck gelassen und das Plantschen begann. Mutige sprangen sogar vom oberen Gelände, andere schubbelten sich ihre Körperteiler bei der Plastikrutsche auf. Ein hübscher Kindergeburtstag im Meer, dem wir nur als Beobachter beiwohnten. Denn welche Mutter hat einen als Kind nicht davor gewarnt, mit vollem Bauch ins Wasser zu gehen?

Die meisten auf unserem Boot waren Asiaten. Und schon in vergangenen Urlauben haben wir festgestellt, dass sie, egal ob jung oder alt, klein oder groß, immer die bereitgestellten roten Schwimmwesten trugen. Haben sie Angst zu ertrinken? Lernen sie das vielleicht schon als Kind, wie wir eben nicht mit vollem Magen ins Wasser gehen? Oder steckt dahinter ein Glaube oder ein Brauch? Wir wissen es nicht. Aber es sah lustig aus. Wie sie da quasi kopfüber im Wasser hingen, getragen vom Styropor oder was auch immer in diesen Westen eingenäht ist. Sie wirkten etwas unbeholfen, etwas unbeweglich. Ein witziges Bild.

Nach einer längeren Pause traten wir dann schon wieder den Rückweg an. Uns wurde Ananas und Melone gereicht und alle legten erschöpft ihre Köpfe auf die Schultern der Nachbarn oder auf die Lehnen der Vorderbänke ab und schliefen. Tatsächlich alle, bis auf ein, zwei andere. Somit hatten wir das Boot quasi für uns allein und starrten hinaus in die Weite, zu den vielen Inseln und übers Meer hinaus. Ja das Meer hat einfach etwas. Immer in Bewegung und doch so beruhigend. Monoton und parallel so abwechslungsreich, mit den Schiffen am Horizont, den Fischen, die übers Wasser springend die Flucht ergreifen. Und dazu das Rauschen der Wellen, die vom Bug des Schiffes geteilt werden und aufschäumen. Und der salzige Geruch in der Nase, etwas vermischt mit Treibstoff. Mit allen Sinnen schaukelten wir sanft übers Wasser und ließen unseren Gedanken freien Lauf. Bis einer aus der Crew lautstark was auch immer in die schlafende Meute rief. Die Köpfe erhoben sich, jeder schaute sich um und schwupps-die-wupps waren wir an Insel vier angelangt. Unser letzter Punkt.

Diesmal machten wir an einem Holzsteg fest, der neben einem feinen Sandstrand zu uns ins Meer hinauslief. Und jetzt? Baden? Sonnen? Schnorcheln?? Niemand wusste was auf uns zu kommt, aber alle liefen wir wie die Lemminge den langen Steg entlang zum Strand. Ein paar standen dumm herum, andere posierten wie große Stars vor den Kameras der Freunde und wieder andere liefen wie blind einfach ins Wasser hinein. Mit ihren Westen am Oberkörper. Und dem Schnorchel im Mund. Und sie schnorchelten. Über dem Flachen Sand im seichten Meer. Denn ja, auch hier gab es ein paar Fische, die vom Futter gelockt umher schwammen. Mitten am Sandstrand. Eigentlich war es eine herrliche Situation. Total skurril. Zumindest für uns. Wir setzten uns auf einer der Strandbänke und guckten zu. Wie ein zweites und drittes Boot mit Leuten angeschippert kam und an unserem Boot festmachte. Beobachteten die Leute und warteten entspannt, bis alle wieder wie ein Schwarm Fische den Steg zurück liefen und auf den Booten Platz nahmen. Wir dann natürlich auch.

Auf dem Weg zu unserem Fischdorf gab es noch das große Barbecue. Es bestand aus einem Maiskolben, Hähnchenspieße mit Ananas und einer sehr scharfen Paprika und Melonenstücke. Oberlecker. Klein, aber fein. Ja die Thailänder haben es drauf mit dem Essen. Zwar sind überall Unmengen an Zucker drin, aber ansonsten ernähren wir uns seit Antritt dieser Reise gesünder als je zuvor mit frischem Gemüse und leckerem Obst. Selbst auf einem solchen Ausflug. Kein Wunder, dass die Asiaten alle so schlank sind. Obwohl es auch ein paar wenige dicke unter ihnen gibt, aber das Thema hatten wir glaube ich schon. Wir jedenfalls lieben das Thaifood und können auch nach fast zwei Monaten immer noch nicht genug davon bekommen.

Traumurlaub auf Koh Chang

Unseren zweiten großen Ausflug hatten wir erst gestern. Ganz in Eigenregie. Nachdem ich morgens wegen des Regens nicht schwimmen konnte und wir den Vormittag auf dem Zimmer verbracht haben, sind wir dann gegen 12 Uhr endlich aufgebrochen. Bei Sonnenschein. Eigentlich wollten wir nur zur Monkey School Richtung Norden. Doch die Zustände waren leider keinen Besuch wert. Eingesperrt in kleinen Betonkäfigen warteten sie darauf, ihre kleinen Kunststückchen vorführen zu können. Oder zu müssen. Leider kein schöner Anblick. Da gucken wir ihnen doch lieber zu, wie sie vor unserem Bungalow die Papayas klauen und genüsslich auf dem Dachgiebel verspeisen.

Doch was tun mit dem angebrochenen Nachmittag? Der Weg über die andere Seite der Insel ist lang. Ob die Zeit ausreicht? Wir werden sehen. So dachten wir und fuhren einfach los. Und fuhren und fuhren und standen auf einmal mitten in einem Fischerdorf. Ähnlich angelegt wie das auf unserer Seite, doch auch irgendwie ganz anders. Wieder ist es ein Steg, der das Zentrum längs ins Meer bildete. Doch statt Luxusherbergen, Tauschulen und Souvenirshops standen hier Wohnhäuser. Holzhütten. Teilweise etwas marode doch allesamt bewohnt. Wir kamen uns vor wie Eindringlinge, als wir dem kleinen Schild zum Seafood-Restaurant folgten. Überall saßen die Bewohner in Grüppchen zusammen auf dem Boden und spielten Karten. Wir guckten in die Wohnzimmer der Fischer und drangen in deren Privatsphäre ein. Doch es schien keinen zu stören. Trotzdem ein unangenehmes Gefühl. Zugleich aber auch interessant zu sehen. Denn wir sahen nicht die Armut, sondern die Zufriedenheit der Menschen. Blickten in ihr einfaches Leben. Ohne Komfort. Babys wurden auf den Holzbrettern auf dem Fußboden gewickelt, die Küche bestand aus einem Gaskocher und einem zerbeulten Wog mitten im Zimmer, welches als Küche, Schlafraum und Wohnzimmer diente. Und auch wenn wir dieses Leben nicht mit dem unseren eintauschen würden, so nehmen wir doch einiges mit. Dass ein teures Wasserbett und eine hochwertige Markenküche nicht alles ist. Zum Leben und Glücklichsein braucht man kein gefülltes Konto, keinen großen Kleiderschrank. Wir leben hier tagtäglich aus zwei Rucksäcken. Und es geht uns gut. Wozu brauchen wir eigentlich eine so große Wohnung? Zwei riesige Fernseher? Momentan könnte ich das alles aufgeben, es fehlt mir nicht. Zuhause? Heimat? Was ist das eigentlich? Und wie wichtig ist es mir? Dagegen möchte ich auf den Kontakt zu Familie und Freunden nicht verzichten. Höre ich ein paar Tage nichts von ihnen, fehlen sie mir. Dann greife ich zum Telefon und rufe an. Oder schreibe Nachrichten. Möchte wissen, wie es ihnen geht, was sie machen. Ist das vielleicht eher mein Zuhause?

Das Restaurant bestand aus einer wunderschönen Holzterrasse im Freien. Mit großen getrockneten Blättern ein wenig überdacht und liebevoll dekoriert. Überall hingen Pflanzen. Und was für welche. Aus den Löchern kleiner Kübel hingen herrliche Wurzeln von Blumen, die oben der Sonne entgegen wuchsen. Im Wind klimperten Traumfänger oder welche Bedeutung sie hier auch immer haben mögen. Es ist immer wieder faszinierend, wie arm und reich hier direkt nebeneinander leben. Ob hier im Fischerdorf oder oben in Tak. Wackelige Holzhütten stehen direkt neben Villen aus Beton und Marmor.

Wir nahmen an einem großen Holztisch Platz, der aus schweren Bohlen bestand, eine große Muschel diente mir als Aschenbecher und wir blickten auf die Bucht, der gerade das Wasser von der Ebbe entzogen wurde. Direkt an der Terrasse grenzte das Haus der Inhaber. Die breiten Falttüren standen offen und gaben uns Einblick in ihr Wohnzimmer, in dem der Sohn gerade vor dem Fernseher irgendein Adventure Game spielte. In der Ecke rechts hinten war die Küche. Eine offene Küche, in der die Hausherrin uns unser Essen zubereitete. Sehr beeindruckend. Also nicht die Zubereitung, sondern das Ganze. Da warten die Besitzer hier also Stunde für Stunde, Tag für Tag, dass sich irgendwann mal jemand hierhin verirrt und Hunger hat. Aber es scheint zu klappen, denn die Preise waren stolz und das Haus eines der wohlhabenderen. Wir genossen unser Essen, denn es schmeckte. Anders als in den Garküchen und vielleicht auch nicht ganz so gut, aber es war lecker. Und die Atmosphäre dazu war gigantisch. Wieder waren wir abseits aller Touristen ganz allein und wieder in einem Juwel der Insel, einem traumhaften Ort.

Die Insel Koh Chang ist länglich geformt. Ganz oben im Norden befindet sich der Fährhafen, der die Besucher vom bzw. zum Festland bringt. Von dort aus verläuft links und rechts am Ufer je eine Straße nach Süden. Wir wohnen links, mittig der Nord-Süd-Achse. Das Luxus-Fischerdorf mit dem kleinen Leuchtturm befindet sich auf unserer Seite im Süden. Fast am Ende der Straße. Denn der Zipfel ganz unten ist leider unterbrochen. Man kann die Insel also nicht komplett umrunden. Unser Ausflug führte uns auf die andere, rechte Seite der Insel. Auch in den Süden. Aber eben auf die Seite, die touristisch noch nicht so recht erschlossen ist. Gäbe es die vielleicht zwei Kilometer lange Verbindungsstraße in diesem Südzipfel, wir wären in kürzester Zeit wieder in unserer Unterkunft. Es ist sehr zwiespältig. Die ganze rechte Seite würde extrem vom Tourismus profitieren. Allerdings würde das kleine Fischerdorf, in dem wir saßen, in ein paar Jahren sicherlich genauso aussehen wie das auf der anderen Seite. Welches ja wirklich toll wirkt, aber eben doch etwas anders ist. Und wir hätten sicherlich mit vielen anderen Touristen auf dieser Terrasse gesessen und wer weiß, ob die liebevolle Einrichtung nicht einer praktikableren gewichen wäre.

Wir düsten mit unserem Moped noch etwas herum, besuchten verlassene Aussichtspunkte mit Blick auf die benachbarten Inseln, gönnten uns ein Kaltgetränk und traten wieder den Heimweg über den Norden an. Es war höchste Zeit, denn im Dunkeln macht das Fahren nicht so richtig Spaß. Mit Sonnenbrille sieht man nichts mehr und ohne hat man alle fünf Sekunden irgendwelche Fliegen in den Augen. Und als hätten wir es alles vorher geplant, kamen wir pünktlich zum Sonnenuntergang bei uns an und waren heilfroh, nach über 130 Kilometern endlich absteigen zu können. Herrje, was hat uns das Gesäß wehgetan. Aber es hatte sich gelohnt. Was hätten wir uns geärgert, wären wir nach über einer Woche Aufenthalt nicht auf die andere Inselseite gefahren. Und vor allem, was hätten wir alles verpasst!

Und genau das wird uns wohl in Erinnerung bleiben. Die unterschiedlichen Fischerdörfer. Diese Meereslandschaft. Der Blick auf die Nachbarinseln, am besten bei Sonnenuntergang. Das Baden in rötlichem Licht getauchten Meer. Und die Bewohner bei uns im Ort. Unsere Vermieter, die uns einfach mal eine Tüte Früchte an unsere Tür hingen, die Garküchenfamilie, die uns täglich beherbergte und das wohl beste Essen der ganzen Insel auf den Tisch stellte und natürlich unsere süße Thaifrau vom Frühstückscafé, unsere Vermieterin des Mopeds, die uns jeden Tag mit einem Strahlen im Gesicht begrüßte und mir meinen morgendlichen Kaffee zubereitete. Ja, es sind wieder die Leute, die uns den Aufenthalt so sehr versüßt haben. Die uns Struktur gaben und eine Konstante. Wir haben keine Lust, jeden Tag ein neues Lokal zu suchen. Zwar probierten wir zwischendurch immer mal wieder welche aus, aber wir hatten unsere festen Plätze. Und die sind hier auf der Reise auch wichtig. Sie haben etwas Heimeliges. Wie die Leute. Sie sind kein Familienersatz, aber sie verwandeln das Wort „Fremde“ in ein „Willkommen“. Sie werden auf eine gewisse Art zu Vertrauten. Als wenn man jeden Sonntag zum gleichen Bäcker gehen würde, der bereits die Tüten vollpackt, ohne dass man überhaupt bestellt hat. So, wie es Markus oft morgens im Café getan hat. „Cappuccino mit wenig Milchschaum wie immer?“

Nach elf Tagen Urlaub, Inselleben und Erholung geht unsere Reise nun also bald weiter. Ein neues Land. Kambodscha. Wie aufregend! Eine neue Sprache, eine neue Währung, neue Erfahrungen. Und wahrscheinlich auch eine andere Art des Reisens. Zumindest rechnen wir damit, nachdem, was wir bisher über dieses Land gehört und gelesen haben. Das hohe Gebirge haben wir von hier ja bereits gesehen. Wie Wolken zeichnen sich die Berge ganz fein am Horizont ab. Blass und grau, kaum zu erkennen. Ach, wir freuen uns drauf.

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6 Comments

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  1. Hallo Ihr beiden,

    na das mit den Spinnen ist schon gruselig…. Kann ich gut verstehen, daß ihr da einen großen Bogen drum macht;)
    Ich wünsch Euch eine schöne Weiterreise nach Kambodscha und wieder viele wunderbare Erlebnisse!!!!!!!!
    Ganz viele liebe Grüße
    Ilka und Familie

    • Markus & Felix

      12. Juni 2015 — 1:58

      Moin moin!
      Schön, von dir zu lesen. Du würdest übrigens hier noch ganz andere Dinge überwinden müssen. Hunde. Viele. Auf der Straße. Aber sie sind eigentlich alle ganz lieb. Fast träge. Schlafen viel in irgendwelchen schattigen Ecken. Nur in Tak hatten wir etwas Schiss. Als wir abends im Dunkeln durch eine Siedlung mussten. Ein Hund kam hinter einem Zaun angerannt und bellte los. Das rief alle anderen dazu. Und jeder dort hatte einen Hund. Und wer weiß, ob die Zäune alle dicht sind? Das war schon etwas mulmig. Aber ist alles gut gegangen. Sie bewachten ja nur die Grundstücke.
      Grüße an die ganze Familie. Wir hoffen der Atlas von Phina steht immer griffbereit und ihr verfolgt uns auf den Karten.
      Felix & Markus

  2. Hallo ihr Zwei,

    traumhafte Bilder! Wirklich wunderschön! Dann will man am liebsten direkt mit auf die Reise.
    Dicke fette Spinnen?! Uuuuh ja, die kennen wir. Hatten wir einmal auf Koh Lanta in unserer dachlosen Bambusdusche. *iiieeehhhh*

    Genießt weiterhin euer Abendteuer und seid lieb gegrüßt!

    Caro

    • Markus & Felix

      12. Juni 2015 — 1:52

      Hey Caro,
      wir sind so froh, dass wir die Spinnen nicht in unserer Hütte auf der Farm in Pai hatten. Vielleicht haben wir sie auch einfach nur nicht gesehen. Wir wären tausend Tode gestorben. Wieso sind sie hier so unendlich groß?
      Und ihr seid doch auch bald wieder hier, oder? Also genießt die Vorfreude!
      Liebe Grüße an euch beide!
      Markus & Felix

  3. So eine Schnorchel-Tour habe ich auch schon mal rund um Koh Tao (inkl. Koh Nang Yuan) gemacht. Allerdings auf einem kleinerem Boot, aber wir haben viele dieser größeren Schiffe um uns rumgehabt. Einerseits war das Schnorcheln ganz nett, aber way too many people…

    • Markus & Felix

      12. Juni 2015 — 1:48

      Genau so. Es war schon echt ganz nett, aber eben eine kleine Massenveranstaltung. Vielleicht schnorcheln wir noch mal woanders. In Vietnam oder im Süden von Thailand. Mal schauen. Jetzt geht’s erstmal wieder ins Landesinnere, worauf wir uns auch drauf freuen. Viele Grüße aus unserem Frühstückscafé!

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