Thailands Norden

Thailands Norden

In Chiang Rai haben wir uns mal wieder etwas mehr Zeit gelassen und von dort aus den Norden des Landes erkundet. Auf jeden Fall einen Besuch wert.

Eines Abends entdeckten wir rein zufällig bei einem Spaziergang den Nachtmarkt, der dort nur am Wochenende stattfindet. Wow, war der riesig. Die komplette Prachtstraße wurde dafür gesperrt und hunderte von Ständen reihten sich nebeneinander. Und was es alles zu kaufen gab. Nicht nur Ramsch und Nippes für Touristen. Schöne Handwerkskunst, tolle Souvenirs, eine Menge durchaus tragbarer Klamotten abseits von „I love Chiang Rai“ bedruckten Shirts und natürlich an jeder Ecke eine Garküchen. Herrlich!

Auf solch einen Markt muss man hungrig gehen. Dann hat man Platz im Magen, um alles zu Probieren. Hier ein gebackenes Kokosbällchen, dort ein Spieß mit Gemüse. Dazwischen schlendert man dann gemütlich den Markt rauf und runter. Eine tolle Tradition, die es in ganz Thailand gibt. Und in Chiang Rai dazu noch so dermaßen günstig, dass man manchmal den Preisen auf den Schildern gar nicht traut. Wären wir von Chiang Rai direkt nach Berlin geflogen, wir hätten uns mal wieder komplett neu eingekleidet.

An einem Ende des Marktes stand in einem kleinen Kreisverkehr die „Golden Clock“. Ein hoher, golden glänzender Turm mit vielen Verzierungen, Figuren und einer Uhr. Jeden Abend findet dort zu jeder vollen Stunde eine Lichtshow statt. Dann erklingen die Töne des Big Ben und Musik setzt ein. Kitschig-süße Thaimusik mit orchestralen Elementen. Zum Schreien komisch. Dazu wechselt die Beleuchtung von Dunkelgrün über Gelb zu Rot und Lila. Doch der Kitsch nimmt im Laufe der etwa acht Minuten weiter zu und gipfelte in einem Höhepunkt. Im Inneren des Turms öffnet sich eine Blüte und ein Engel, oder was auch immer, kommt herunter geschwebt. Ganz klein, fast unauffällig. Ein kleines Theaterspiel. Und während des Spektakels läuft der Verkehr einfach weiter. Autos drehen fleißig ihre Runden und versperren die Sicht. Es war herrlich. Zwar allein für die Touristen gemacht, aber komisch-kitschig-toll.

Interessant war auch das Buddhamuseum. Laut einer Legende soll es dort in einem Chedi einen Blitzeinschlag gegeben haben. Der Chedi zerbrach und hervor kam ein smaragdgrüner Buddha. Dieser steht inzwischen ausgestellt in Bangkok. In Chiang Rai kann man allerdings eine etwas größere Kopie sehen. Oder besser bewundern, denn mit dem ganzen drumherum schon sehr beeindruckend. Wie auch das Museum selbst. Die verschiedensten Buddhafiguren sind dort ausgestellt. Jeder Wochentag hat eine eigene Figur. Oder vielleicht auch anders herum, jede Figur einen eigenen Wochentag. Und jede Epoche und Region hat eigene Merkmale. Am bekanntesten ist da der chinesische Buddha, der einen mit nacktem, dicken Bauch angrinst.

Etwas weiter im Süden der Stadt gibt es ein weiteres Highlight. Ein Architekt hatte die Vision, einen weißen Tempel zu bauen. Er wurde von allen für Verrückt erklärt und niemand wollte finanziell in dieses Projekt einsteigen. Und doch schaffte er es irgendwie mit dem Bau zu beginnen. Schnell wurden die Touristen darauf aufmerksam und jeder Chiang Rai-Besucher wollte diesen Tempel sehen. So bekam er eine irrsinnige Popularität. Massen strömen seitdem in den Süden, jede angebotene Tour hat den Tempel im Programm. Fotos zu machen ohne irgendwelche Leute auf dem Bild zu haben, war für Markus fast unmöglich. Aber nur fast.

Inzwischen wollen wohl doch viele Geldgeber mit einsteigen, denn der Tempel, so der Architekt, wird nie fertig sein. Immer neue Bauten sollen entstehen und die stehenden verändert bzw. erweitert werden . So zum Beispiel der Innenraum des Hauptgebäudes. Aktuelle Ereignisse aus Politik, Wirtschaft und Entertainment werden immer wieder in die Bilder integriert. George Bush ist zu sehen, Saddam Hussein, der 11. September ist dargestellt, aber auch die Figuren von Star Wars, Matrix und SpongeBob. Sehr skurril eigentlich.

Eine religiöse Bedeutung hat dieser weiße Tempel nicht. Er stellt ein Kunstwerk dar. Ob man es braucht oder nicht, keine Ahnung. Zumindest zieht es die Touristen an und sieht auch schon sehr beeindruckend aus mit all den silbernen Verzierungen. An einem kleinen Häuschen kann man sich kleine Blätter aus dünnem Metall kaufen und sie beschriften. Mit einem Spruch oder seinen Initialen. Diese werden dann an großen Blumengestellen oder als Verzierung an die Gebäude gehangen. Und sie hängen dort zu tausenden!

Und doch erzählt der Tempel eine Geschichte. Am Eingang sieht man aus dem Boden ragende Hände, die nach oben greifen. Die Masse, das Volk, also wir. Auf dem Weg nach oben. Doch am Tor stehen rechts und links zwei Richter, die genau wissen, wer es sich verdient gemacht hat, hindurch zu gehen. Wer genug Karmapunkte gesammelt, gutes getan hat. Alle anderen werden von ihnen wieder zurück geschleudert und dürfen noch mal neu anfangen, auf dem Weg zu einem guten Menschen.

Hinten versteckt, offen unter einem Dach, befindet sich die Werkstatt. Hier werden die Figuren und Verzierungen mithilfe von Schalungen und Formen hergestellt. Auch ganz beeindruckend zu sehen, wie viel Arbeit in einem einzigen kleinen Element eigentlich steckt. Und wie viele dieser Elemente der Tempel hat. Wow! Da glaubt man sofort, dass dieser Tempel wohl niemals fertig sein wird.

Und dort gibt es die „wertvollste“ Toilette ganz Thailands. Ein prunkvoller Palast aus Gold. Zumindest von außen. Im Nachhinein hätten wir doch mal einen Blick hineinwerfen sollen. Aber zu spät.

Ein Stück weiter entfernt steht das Schwarze Haus (Baan Dam). Eigentlich sind es mehrere Häuser. Was genau es mit denen auf sich hat, haben wir nicht so richtig heraus bekommen. Ein Museum über das Leben eines ethischen Volkes, sagte unser Guide. Im Internet steht etwas von einem Kunstwerk. Für mich war es leider tot langweilig, da uns keinerlei Geschichten oder Informationen dazu gegeben wurden. Für Markus dagegen ein Mekka für seine Fotografie. Und ja, schaue ich mir die Bilder im Nachhinein an, sind es schon sehr schöne Motive und Fotos. Vor Ort allerdings konnte ich mit ausgestellten Krokodilen, Holzmöbeln und anderen Kunstwerken nicht viel anfangen. Da fehlte mir einfach der Hintergrund.

Anders bei der Teeplantage, die wir anschließend besuchten. Hilfe war diese riesig. Endlose Reihen zogen sich über die Hügel hinweg. Akkurat angelegte Pflanzen, alle gleich hoch und gleich breit, dazwischen enge Wege. Ein wunderschönes Muster in der Natur. Und statt nur von der oberen Aussichtsplattform herunter zu gucken, liefen wir mitten hinein. Wenn wir schon mal da sind, dann wollen wir es auch von nahem sehen. Also schlichen wir uns heimlich durch eine Absperrung und landeten bei den Teepflückerinnen. In einer Reihe liefen sie die Pflanzen ab, rissen die neuen Triebe in Büscheln aus und warfen sie in ihren auf den Rücken geschnallten Körben. Mal wieder alles Handarbeit. Und so wunderschöne Bilder. Wenn man sie auf den Fotos doch auch hören könnte. Wie sich die Frauen unterhielten, mit einander scherzten, zusammen lachten. Konzentriert auf die Arbeit und dabei so fröhlich und zufrieden.

Zwei Mal im Monat während der Regenzeit wird auf dieser Plantage  gepflückt. Die Blätter landen in einer Maschine, werden getrocknet und anschließend gebrochen. Dann verpackt, vor Ort verkauft oder exportiert. Größtenteils nach China, denn dort gibt es mehr Teetrinker als Flächen für Plantagen. Aber auch nach Amerika und Europa wird der Tee verschickt. Vielleicht trinkt ja gerade jemand in Deutschland diesen Tee, während ich von der Ernte schreibe.

Weiter in Richtung Norden kamen wir dann an der Affenhöhle vorbei. Leider ein reiner Touristenpunkt. Auf einem eher schäbigen Betonplatz saßen hunderte von Affen herum. Drum herum natürlich Stände, an denen es Futter zu kaufen gab. Jeder wollte eines der Tiere füttern, die teilweise gar keinen Hunger mehr hatten. Dick und rund tollten sie umher, verteidigten ihre errungenen Bananen oder entlausten sich genüsslich. Ganz witzig, aber kein Muss auf der Liste der schönsten Plätze Nord-Thailands.

Eine Steintreppe führte vom Platz erst zu einer Aussichtsplattform und etwas weiter zur Höhle, in der es stockdunkel und wahnsinnig glitschig war. Mit dem Licht des Handys bewegten wir uns vorwärts und standen vor einem Schrein, der wohl schon bessere Tage erlebt hatte. Nicht wirklich schön, prunkvoll oder gar besonders. Aber vielleicht fehlte uns auch dort wieder nur der richtige Guide. Denn mit den Geschichten dazu kann jedes noch so kleine Loch zu einem tollen Erlebnis werden. Doch unser Guide war dann doch mehr ein Fahrer, als Geschichtenerzähler.

Beeindruckender war für uns das Goldene Dreieck, ganz oben des Landes. Getrennt durchs Wasser treffen dort Laos, Myanmar und Thailand aufeinander. Zwei dieser Länder hatten wir bereits bereist, ob es uns noch nach Myanmar verschlagen wird, keine Ahnung. Zumindest konnten wir ein paar Blicke erhaschen und auch die Einflüsse spüren. Denn die Buddhafiguren dort haben alle einen kleinen Schnauzbart. Eigentlich nur eine kleine, aufgemalte Verzierung. Aber auffällig anders.

Vor gar nicht allzu langer Zeit war das Goldene Dreieck noch bekannt für den Handel mit Opium. Ein Museum zeigt dort nicht nur die Geschichte, sondern auch allerhand Pfeifen und Anleitungen. Etwas merkwürdig eigentlich, aber nun wissen wir, wie man aus Mohn Opium gewinnt und vor allem wie man es zu sich nimmt. Noch komischer war allerdings die eingerichtete Kinderspielecke mittendrin. Wer nimmt denn bitte sein Kind in ein Museum über Drogen mit? Aber vielleicht ist dies auch nur eine typisch europäische Frage.

Ja, an Chiang Rai und den Norden werden wir uns später sicher gut erinnern. An die Stadt mit seinen kleinen Gässchen, den Obstständen und den vielen Cafés. Und natürlich werden wir Mam, die Inhaberin unseres Hotels, so schnell nicht vergessen. Was war es doch für ein schöner Tag mit ihr…

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2 Comments

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  1. Danke, wieder einmal sehr, sehr interessant!

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