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Gestern war Feiertag. Einer der wichtigsten in ganz Thailand. Zumindest für die Menschen hier. Denn wie auch immer die politische Lage ist und wie verfeindet die verschiedenen Lager sind, einen lieben und verehren hier alle. Den König Bhumibol Adulyadej der Große (Rama IX.). Und dieser wurde stolze 88 Jahre alt.

Er ist bereits seit 1946 König und damit das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Wahnsinn. Und seine Geschichte ist ebenfalls ganz interessant. Er wurde nämlich in den USA geboren, zog allerdings ein Jahr später mit seiner Familie nach Bangkok. Mit 6 Jahren ging es dann in die Schweiz, wo er seine Leidenschaft die Fotografie entdeckte. Immer wieder erblicken wir Portraits von ihm, auf denen er mit einer Kamera abgelichtet wurde. Auch gibt es verschiedene Ausstellungen mit seinen Bildern zu sehen.

Kurze Zeit später entdeckte er für sich das Saxophonspielen. Im Laufe seiner Amtszeit spielte er wohl immer wieder mit berühmten Jazzmusikern wie Benny Goodman zusammen und komponierte selbst sogar rund 40 Stücke. Ein richtiger Musiker also.

Er absolvierte seinen Abschluss auf einem Gymnasium in Lausanne und  begann ein Studium der Technischen Wissenschaften. Nachdem sein Bruder erschossen aufgefunden wurde, bis heute sind die Umstände nicht geklärt, wechselte er zu Politik- und Rechtswissenschaften, um sich auf sein Amt vorzubereiten.

Bei einem besuch in Paris wiederum lernte er seine Frau Mom Rajawongse Sirikit Kitiyakara kennen, die Tochter des damals thailändischen Botschafters in Frankreich. Sie kehrten zusammen nach Thailand zurück, er wurde König und machte sie zur Königin.

Er setzte sich stark für die Bevölkerung ein und folgte dem Moto, das Land einzig zum Vorteil seiner Menschen zu regieren. Das verschaffte ihm und seiner Frau viel Anerkennung. Wo wir auch in Thailand waren, das Königspaar wurde überall sichtlich und spürbar verehrt. An deren Bildern kommt man bei einem Thailandbesuch eigentlich nicht vorbei. Sie hängen überall.

Zu seinem gestrigen Geburtstag wurde somit die ganze Stadt geschmückt. Schreine mit seinen Portraits wurden aufgestellt, gelbe Fahnen und Stoffdekorationen wurden angebracht. Gelb, weil der König an einem Montag geboren wurde. In Thailand ist jeder Wochentag einer Farbe zugeordnet. Deshalb trugen ihm zu ehren gestern fast alle Thais ein gelbes T-Shirt. Zudem wurde der 5. Dezember zum Vatertag ausgerufen, weswegen die meisten Shirts mit Sprüchen wie „I Love Dad“ bedruckt waren. Genauso wie am Geburtstag der Königin im August, der zeitgleich Muttertag ist und den wir in Chiang Rai erleben durften. Da trugen alle hellblaue T-Shirts, denn sie war an einem Freitag geboren.

Die Stadt war voll. Wir schlenderten zum Sanam Luang, der großen ovalen Grünfläche vor dem Königspalast. Hier haben wir vor Monaten dem Drachenfest beigewohnt. Und hier schloss sich erneut ein Kreis unserer Reise. Wir trafen erneut auf den schwarzen Buddha. Im Mai haben wir ihn durch Zufall in Mae Sariang entdeckt und waren fasziniert von der kleinen Zeremonie im Dunkeln. Doch fanden wir nichts über die Geschichte im Internet. Und da stand er nun. Hier in Bangkok. Wieder auf einem LKW-Anhänger. Leute stiegen zu ihm hinauf und rieben ihn mit einer durchsichtigen Flüssigkeit ein. Jeder wollte ihn berühren. Es sah so aus, als streichelten sie seine Haut. Ein tolles Wiedersehen. Auch wenn wir bis heute die Geschichte dazu nicht kennen.

Wir stöberten entlang der vielen Essstände und ließen das Treiben auf uns wirken. Schauten einem Thaiboxkampf unter freiem Himmel zu und einer mysteriösen, etwas unheimlichen Zeremonie mit einem Kind und vielen Räucherstäbchen, die wir aber nicht deuten konnten. Überall war etwas los. Es bildeten sich lange Schlangen, denn es wurde kostenlos Essen, Wasser und Eis verteilt. Dazu konnte man sich gratis massieren oder die Haare schneiden lassen. Der König war ein hervorragender Gastgeber, keine Frage. Teilweise wuchsen schlangen sogar zusammen. Hatte man nach langem Warten sein Reisschälchen endlich in der Hand, blieb man einfach in der Reihe stehen, rückte Stück für Stück weiter vor und bekam wenig später das nächste Geschenk. Es gab Plätze, da hielten alle Menschen um uns herum ein Eis in der Hand. Unweit von uns stand ein kleiner Lieferwagen und verteilte Massen an Langnese Eis. Natürlich passend zu den Feierlichkeiten das goldgelbe Magnum. Ein sehr lustiger Anblick irgendwie.

Dann wurde es uns zu voll und wir gingen noch mal zurück in unser Hotel. Abends stiefelten wir aber erneut los, denn es sollte ein großes Feuerwerk geben. Es war der Wahnsinn wie viele Menschen unterwegs waren. An einer großen Kreuzung blieben wir stecken. Kamen nicht weiter. Ergatterten uns ein Platz am Zaun mit Blick auf den Königspalast. Polizisten regelten den Verkehr und riegelten letztendlich alles ab. Tausende von Menschen, richtige Massen, standen eng aneinander am Straßenrand. Und das faszinierende war die Stimmung. Es war fast magisch. Nur ein leichtes Gemurmel war zu hören. Alle standen still und blieben total ruhig. Ein paar Regierungsfahrzeuge passierten die leer gefegte, abgesperrte Straße. Vorzugsweise Mercedes-Benz und BMWs. Ja, die Deutschen und ihre Autos. Ein oft gesehenes Statussymbol im Ausland.

Wir hätten erwartet, dass der König vorbeifahren würde. Die Stimmung blieb ungewöhnlich gefasst. Nur ein paar Engländer grölten „Wow, amazing! Whats that? Lets start…“. Wir schämten uns so fremd.

Nach einer Stunde wurde der Verkehr wieder freigegeben. Ein Massenauflauf begann. Alle stürmten auf die Grünfläche. Wir blieben stehen. Es war uns schlicht zu voll. Und direkt am Zaun hatten wir den perfekten Blick auf das Feuerwerk, falls sich nicht gerade ein Bus vor unsere Nasen stellte.

19.30 Uhr etwa zündeten dann die Thais um uns herum eine Kerze an und fingen mit ihr in der Hand an zu singen. Was wieso und warum wussten wir nicht. Aber es war erneut eine beeindruckende Atmosphäre. Fast wie in einer Kirche, nur eben an der freien Luft. So wunderbar friedlich. Und kaum war der letzte Ton verklungen, begann das Feuerwerk. Zwar nicht klein, aber nicht unbedingt beeindruckend schön. Feuerwerksmeister scheinen die Thais nicht zu sein, aber darum ging es ja auch gar nicht. Die Massen klatschten nach der ersten Rakete. Wir klatschten und freuten uns mit. Und auf einmal erstrahlte genau über uns eine rote Feuerblume. Ein zweites Feuerwerk begann. Etwas größer. Etwas imposanter, was sicher daran lag, dass wir es von unten beobachteten konnten. Wir standen direkt darunter. Schon ein wenig faszinierend.

Nach ein paar Minuten war alles vorbei. Wir beschlossen den Heimweg anzutreten, bevor es alle tun würden und wir nicht mehr weg kämen. Es war so irrsinnig voll auf den Straßen. Aber wir erreichten ohne Zwischenfälle unser Hotel.

Zwar haben wir den König nicht gesehen und auch leider keine der Paraden, die wohl schon am 3. Dezember veranstaltet wurden, aber dennoch war es ein toller Tag. Es war einfach so beeindruckend zu sehen, wie ein ganzes Land einen einzigen Menschen ehrte.

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