Tam Coc – bezaubernde Wasserlandschaft

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Als erstes haben wir uns im Hotel ein Motorrad gemietet, denn die angebotenen Touren waren wahnsinnig teuer. Teilweise kosteten sie sogar mehr als von Hanoi aus. Also selbst organisieren, selbst fahren und selbst erkunden. Am meisten Sorge dabei machte mir das Motorrad fahren, denn der Verkehr hier in Vietnam ist ja unterirdisch. Aber wenn andere es schaffen, wieso nicht auch ich?

Den ganzen Morgen schon war ich hibbelig und aufgeregt. Aber ohne Grund, wie sich heraus stellte. Unser Hotel liegt in der Stadt Nimh Binh, nur sechs Kilometer entfernt von unserem ersten Ziel Tam Coc. Die Fahrt verlief völlig ruhig und ohne irgendwelche Zwischenfälle. Nur das Motorrad klapperte überall.

Am Anleger angekommen, es war noch sehr ruhig, wurden wir direkt auf einen Parkplatz geführt, kauften zwei Tickets für eine 1,5 stündige Bootsfahrt und wurden direkt in die Natur gepaddelt. Mit den Füßen. Unser Boot war ausgelegt für drei Personen, ein kleines Ruderboot. Unsere Steuerfrau saß ganz hinten, stützte sich mit den Armen am Boot ab und ruderte in immer gleichen Bewegungen mit ihren Beinen. In Socken. Rutschfest natürlich. Herrlich skurril.

Nach ein paar hässlichen Betonbrücken, keine 300 Meter vom Anleger entfernt waren wir bereits umgeben von hohen Karstfelsen, wie wir sie auch in der Halong Bucht zuvor gesehen haben. Nur schwammen wir dieses Mal auf einem Fluss statt auf dem Meer, weshalb Tam Coc auch als trockene Halong Bucht bezeichnet wird. Und ja, es hatte viel Ähnlichkeit. Und statt der Weite des Wassers umgab uns grüne Sumpflandschaft.

Es war mal wieder sehr beeindruckend. Diese Stille, die Höhe der Felsen und all das üppige Grün. Entenfamilien lagen im Schilf oder kreuzten in einer langen Reihe unseren Weg. Die Schönheit der Natur lag uns zu Füßen.

Dann, direkt hinter einer Flussbiegung, die erste Höhle. Wow. Doch nochmal etwas ganz anderes als die kleinen Tunnel unserer letzten Tour auf Cat Ba. Diese hier war so lang, das wir den Ausgang erst in der Mitte wieder gesehen haben. Niedrig war die Decke und voller Stalaktiten. Wir konnten sie über uns problemlos berühren, mussten sogar leicht unsere Köpfe einziehen, um nirgendwo gegen zu stoßen. Irgendwie wirkte es so, als wäre der Wasserpegel höher als normal. Auch die Reisfelder hinter der Höhle waren komplett überschwemmt mit Wasser. Es sah eher aus wie ein Bergsee mit jeder Menge Schilf rechts und links. Doch ganz am Rand sah man immer wieder kleine Häuser und auch die vielen Bilder im Internet zeigen eine grüngelbe Reislandschaft, durch die eine schmale Wasserschneise führt. Tja, wir sind am Ende der Regenzeit angekommen, alle Becken sind vollgelaufen. So unterschiedlich kann eine Gegend also sein, je nachdem zu welcher Jahreszeit man kommt.

Wir hatten wieder wahnsinniges Glück und waren die meiste Zeit allein unterwegs. Es kamen uns mehr Einheimische entgegen als Touristen. Hier und da waren Bewohner bei der Arbeit, pflückten Grünzeug aus den überschwemmten Beeten und transportierten Felssteine mit ihren Booten. Toll, toll, toll! Wir lieben solche Momente.

Oben in den Felsen über uns konnte man immer wieder große Löcher sehen, wahrscheinlich Eingänge von Höhlen. Diese sind aber wohl nur von Kletterern erreichbar, denn Zugänge konnten wir keine ausmachen. Wer weiß, wie viele Höhlen und Grotten noch gänzlich unentdeckt sind. Hoch oben oder gar unter Wasser.

Wir durchfuhren insgesamt drei Höhlen, wobei dir letzte die interessanteste war. Von außen hätten wir nie gedacht, je dort durch zu kommen, so niedrig war sie. Eine schmale, dunkle Öffnung, die ins Nichts zu führen schien. Aber es gab tatsächlich einen Weg hindurch und wir landeten in einem kleinen See, in dem uns bereits ein paar schwimmende Händlerinnen erwarteten.

Wir waren drauf vorbereitet, denn überall, wirklich überall steht geschrieben, dass es sie gibt, dass sie einen abzocken wollen und sich nur schwer abwimmeln lassen. Man solle sich in Geduld üben und freundlich bleiben. Doch bei uns ging es vollkommen ruhig von statten. Wir kauften uns jeder ein kühles Getränk, denn die permanente Hitze von oben macht durstig, spendierten auch unserer Ruderin eines, handelten ein wenig, darin sind wir ja inzwischen geübt, und kehrten wieder um. Keine Abzocke, keine Diskussionen. Man darf also nicht immer alles glauben, was in den Reiseführern steht.

Zwar fuhren wir den gleichen Weg wieder zurück, aber es war trotzdem toll und erneut beeindruckend. Und siehe da, die Touristen kamen uns entgegen. Und zwar gar nicht so wenige. Ein Boot nach dem anderen kam auf uns zu. Chinesen, die man sofort an ihren Schwimmwesten erkennen kann, Amerikaner und Vietnamesen, die uns gleich freudig fotografierten. Wir hatten also Glück mit der Zeit, denn würden wir in einer Kolonne hinter zig anderen Booten hinterherfahren, es wäre längst nicht so spektakulär gewesen.

Wir fingen an zu schwitzen. Die Sonne kam nun von vorn und brannte auf unserer Haut, die wir Gott sei Dank vorher mit Sonnencreme eingeschmiert hatten. Am Anfang unserer Reise haben wir sie noch täglich gebraucht, inzwischen aber haben wir eine satte Grundbräune und halten uns schon ganz automatisch nicht so lange in der strahlenden Sonne auf.

Die Zeit verging dann doch irgendwie wahnsinnig schnell. Wir gleiteten dahin und beobachteten die anderen Ruderer, mit welchem Geschick sie die Paddel mit ihren Füßen und Zehen bewegten. Parallel, entgegengesetzt, sie wichen aus und drehten die Boote. Unglaublich. Ob dies einfacher ist als mit den Händen? Oder eine Tradition?

An einem Felsen machten wir dann kurz Halt. Unsere Ruderin packte allerlei Sachen aus irgendwelchen Tüten, die auf einmal da waren oder die wir vorher gar nicht wahrgenommen hatten. Sie wollte uns ihre handgefertigten Tücher und Taschen verkaufen. Doch Markus lehnte so souverän mit seiner charmanten Art ab, dass sie ohne zu murren alles wieder einpackte und weiter fuhr. Herrlich!

Wieder am Anleger angekommen, stiegen wir glücklich aus dem Boot und trotteten Richtung Motorrad.

Weiter ging es dann zur Mua Cave. Zwar gab es tatsächlich eine Höhle, die sogenannte Tiger-Cave, doch bestand diese nur aus einem kleinen Loch, ebenerdig im Felsen. Das Highlight laut Reiseführer aber war die 500-stufige Treppe nach oben. Also sind wir hoch. Natürlich haben wir alle Stufen genau mitgezählt und siehe da, es waren sogar nur 461. Aber auch diese hatten es in sich und wir kamen schweißgebadet und außer Puste oben an. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell man bei Aufstiegen an Höhe gewinnt. Welchen tollen Ausblick man schon nach wenigen Minuten hat. Den schönsten hatten wir natürlich von ganz oben. Es war umwerfend. Auf der einen Seite sahen wir die Stadt Ninh Binh, auf der anderen die Landschaft von Tam Coc, die steilen Felsen in der mit Pflanzen überwucherten Flusslandschaft. Und dazu erneut diese Stille. Vögel, Insekten, ein Hahn unten im Tal und sonst nichts. Vielleicht ein leises Knattern eines Mopeds irgendwo weit unten. Einfach wunderbar, diese so unendlich friedliche Stimmung. Da sitzen, lauschen, gucken und einfach nur sein. Innehalten und den Augenblick genießen.

Wieder unten angekommen entdeckten wir hinter einem im Felsen geschlagenen Restaurant die Buddha Cave. Eine Höhle hinter einem wahnsinnig schmalen Gang, wenige, aber steile Stufen hinauf. Sie war winzig klein und mit farbigem Licht beleuchtet, sodass man die vielen Stalaktiten und Stalagmiten sehen konnte. Eine tolle Entdeckung, die wir auch nur zufällig gefunden haben. Dank unserer Neugierde, die uns in alle möglichen Ecken treibt. Denn wenn es einen Gang oder Weg gibt, muss dieser auch irgendwo hinführen.

Nachdem uns der Fahrtwind die Nässe und Hitze genommen hatte, kamen wir am Tor von Hoa Lu an. Wir wurden von der Straße weg, noch im Fahren, von einer jungen Frau abgefangen. „No money, free parking, no money”, rief sie uns zu, fuchtelte mit ihren Armen und zeigte auf einem Abstellplatz unter ihrer Tereasse. Ich fragte sie, ob sie auch etwas zu essen habe, denn wir hatten inzwischen wahnsinnigen Hunger. Dies zauberte ihr sogleich ein wahnsinnig glückliches Lächeln auf ihr Gesicht. Keine Frage, genau das war schließlich ihr Ziel, aber dieser Ausdruck des totalen Glücks war ganz süß anzusehen. Und so haben wir unsere leeren Mägen mit zwei Nudelsuppen gefüllt. Ja, das tat gut. Viel Flüssigkeit, Gemüse und Salze brachten uns wieder auf Trapp. Vielleicht war es aber auch der leckere Eiskaffee im Anschluss, wer weiß.

Eigentlich wollten wir dann zurück zum Hotel fahren, denn was wir über Hoa Lu gelesen haben, überzeugte uns nicht wirklich. Warum auch immer sind wir dann aber doch rein gegangen. In die damalige Hauptstadt, die allerdings mehr durch ihre wundervolle Landschaft bestach. Ein kleines, idyllisches Dorf, umgeben von Wasser. Überall. Grabsteine, die wir vorher schon oft auf Feldern gesehen haben, standen direkt im Nass. Keine Ahnung, ob vor der Regenzeit hier Trockenheit herrscht. Vielleicht werden die riesigen Seen dann zu Reisfeldern. Auf jeden Fall sah es auch dort nicht so aus, als würde das viele Wasser immer so hoch stehen.

Wir liefen und liefen. Die Häuser waren bewohnt und die Leute gingen ihren Tätigkeiten nach. Ochsen standen auf den Feldern und badeten im Wasser, Frauen schälten Knoblauch oder zupften Kräuter. Es war eine ganz eigene, faszinierende Atmosphäre.

Irgendwann sind wir dann auf einer breiten Betonstraße gelandet, die wir leider Kilometer weit entlang laufen mussten, um nicht den gleichen Weg wieder zurück zu gehen. Das war dann leider nicht so idyllisch. LKWs fuhren dicht an uns vorbei und wirbelten ordentlich Staub auf. Kein Baum weit und breit, kein Schatten. Die Sonne brannte mir auf meinen Armen, die schon ganz rot davon waren. Ich war kaputt und die Straße wollte einfach nicht enden. Doch irgendwann führte unser Weg wieder weg von der Straße, hinein in ein Dorf, welches wohl kaum ein Tourist je gesehen hat. Uns wurde wieder gewunken und wir wurden überall begrüßt, von den Kindern, aber auch von den älteren Dorfbewohnern. Das ließ die Laune schlagartig steigen, denn es ist ein tolles Gefühl, so willkommen geheißen zu werden. Es herrschte ein richtiges Treiben um uns herum. Die einen bauten die Straße aus, die anderen fegten vor ihrem Haus, wieder andere spielten Karten. Wir waren mitten im vietnamesischen Leben. Und dies hätten wir nicht erlebt, hätten wir eine vorgefertigte Tour gebucht. Man muss also noch viel öfter selbst losziehen.

Doch ganz ehrlich, ich freute mich riesig, als ich unseren Parkplatz von weitem erkannte. Zwar waren es nur sechs Kilometer, doch ich war geschafft. Von der Hitze? Von den knapp 500 Stufen? Ich weiß es nicht. Wir nahmen noch jeder ein kaltes Getränk bei der glücklichen Parkplatz-Winke-Frau, setzten uns wieder auf das Motorrad und fuhren zurück zum Hotel, kurz bevor die Sonne am Horizont versank. Ein erneut großartiger Tag, ein toller Ausflug mit vielen neuen Eindrücken aus Vietnam. Ja, das Land hat etwas. Und ich freue mich auf die nächsten Stopps in Richtung Süden.

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2 Comments

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  1. Maren Kosel-Andriczka

    30. September 2015 — 21:41

    Hallo guids der Traumreise,
    … und wieder so tolle Fotos, Leben und Natur pur und von künstlerischer Hand ausgeführt!!! … und wieder von vielen und wunderbaren Worten begleitet, einfach wunderbar!!!
    Ich wünschte, die Traumreise würde niemals enden!!!

    Ganz liebe Grüße aus dem herbstlich verfärbten Berlin
    Maren und Wolfgang

    • Markus & Felix

      2. Oktober 2015 — 4:16

      Hallo nach Berlin!

      Danke, danke, danke! Das freut uns sehr. Und doch wird unser Weg zurück nach Deutschland noch in diesem Jahr stattfinden. Aber wer weiß, vielleicht packen wir ja irgendwann erneut unseren Rucksack? Doch daran denken wir jetzt noch nicht. So viel haben wir noch vor. Sind je gerade mal zur Hälfte durch Vietnam gereist. Malaysia und Singapur stehen noch auf dem Plan. Und den Süden Thailands kennen wir auch noch nicht.

      Hier ist übrigens gerade Mitherbst. Auch wenn es sich weiterhin nach Sommer anfühlt.

      Liebe Grüße aus Hue,
      Markus & Felix

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