Spontanes Lichterfest

Wir ließen uns ein paar hundert Meter vor dem Busbahnhof in Surat Thani aussetzen, denn unser Hotel lag ein wenig außerhalb der Stadtmitte. Dafür direkt an einer Schule, was bedeutete, dass es tagsüber genügend Essensstände gab. Isst man in Deutschland ein von Zuhause mitgebrachtes Pausenbrot, gehen hier die Schüler einfach vor das Schulgelände und kaufen sich was. Etwas Herzhaftes oder Süßes und dazu ein Kaltgetränk mit Kakao oder zerschreddertem Obst. Dementsprechend günstig sind auch die Preise.

Es war bereits nach 17 Uhr, als wir eincheckten und uns auf die Suche nach unserem Abendessen machten. Doch alle Läden hatten geschlossen. Feiertag? Es war ein richtiges Gewusel auf den Straßen. Leute packten Lebensmittel in Autos und auf Motorrädern oder putzten die Straße und Scheiben ihrer Geschäfte. Auch waren viele Schüler unterwegs, die man an ihren Uniformen immer sofort erkennt.

Wir fanden ein kleines, geöffnetes Restaurant ein paar Straßen weiter und bestellten mit Händen und Füßen etwas zu essen, denn niemand sprach Englisch und wir noch immer nicht genug Thai. Aber irgendwie klappt es doch immer wieder und wir genossen unser Essen. Dabei beobachteten wir weiter das Treiben auf der Straße. Irgend etwas musste sein. Irgend etwas war im Gange. Oben am Himmel prangte leuchtend-weiß die Mondkugel. Vollmondparty? Wir liefen zurück ins Hotel und fragten nach.

Loi Krathong, sagte uns die Mitarbeiterin an der Rezeption. Wir fassten uns beide an die Stirn. Das hatten wir total vergessen. Das Lichterfest! Zwar waren wir beide total müde, aber dieses Ereignis durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ein Mal im Jahr feiern alle in ganz Thailand das Loi Krathong-Fest. Aus dem Stamm einer Bananenstaude werden kleine Flöße, Krathongs gebastelt. Verziert mit Blüten und Blättern. Eine Kerze dient einer Laterne. Diese werden dann abends in der Dunkelheit am Fluss zu Wasser gelassen. Damit wird die Gottheit des Ganges geehrt und alles Schlechte über das Floß losgelassen, um mit reiner Seele das Leben fortzusetzen. Auch Liebespaare setzen solche Flöße ins Wasser, oft mit zwei Herzen dekoriert, um ihre Liebe zu festigen. Es wurden richtige Bastelwettbewerbe veranstaltet. Aufwendig gebaute, Flöße wurden ausgestellt und die besten prämiert. An Einfallsreichtum mangelte es den Leuten dabei nicht. Und auch das Umweltbewusstsein hat sich eingeschlichen. So gab es Krathongs aus Brotteig oder Eiswaffeln, die sich im Wasser später auflösten und den Fischen als Nahrung dienten. Keine schlechte Idee bei der Masse an Flößen.

Die Uferpromenade war voller Menschen. Ein richtiges Volksfest war das. Überall gab es Krathongs zu kaufen, überall wurde noch fleißig gebastelt. Leider war der Wind so stark, dass die Kerzen direkt nach dem Absetzen ins Wasser sofort erloschen. Normaler Weise wäre der ganze Fluss erleuchtet von schwimmenden Kerzen. An diesem Abend aber leider nicht. Dafür leuchtete der Himmel. Denn auch Skylaternen wurden verkauft. In den unterschiedlichsten Formen. Schlicht als Ballon, länglich wie ein Lampignon, als rotes Herz oder als Bärenkopf mit Ohren. Sogar als Fußbälle getarnte Himmelslaternen waren dabei. Es war wunderschön. Am ganzen Himmel waren die leuchtenden Punkte verteilt. Zwar nicht so wie in Chiang Mai, wo tausende in die Luft gelassen werden, aber genug, um feuchte Augen zu bekommen. Wunderschön.

Wir kauften uns natürlich auch einen Ballon. Guckten uns die besten Tricks von den anderen ab, füllten ihn mit Luft, zündeten ihn an und ließen ihn gekonnt steigen. Als einer von vielen schwebte er davon, über den Fluss immer weiter dem Horizont entgegen. Wir schauten ihm nach, bis er nicht mehr zu sehen war. Dann überkam uns die Müdigkeit und wir liefen zurück ins Hotel.

Was für ein Glück. Gut, dass wir die veränderte Stimmung auf den Straßen bemerkt und nachgefragt haben. Wir hätten uns so was von geärgert, hätten wir erst am nächsten Morgen über das Internet die Bilder gesehen und von dem Fest erfahren. Nächstes Mal wollen wir Loi Krathong in Bangkok oder Chiang Mai erleben. Es muss gigantisch sein, wenn der komplette Himmel leuchtet.

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