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10 Uhr fuhr unser Bus vom Einkaufszentrum los und brachte uns zur Brücke, die Malaysia mit Singapur verbindet. Ein wenig aufgeregt waren wir beide, denn wir hatten keine Ahnung wie der Grenzübergang vonstatten gehen sollte. Auch haben wir vorsorglich sämtliche Kaugummis und Medikamente aus dem Tagesrucksack genommen. Denn noch vor ein paar Jahren war das Kauen von Kaugummi dort strengstens verboten.

Der Bus war leer. Mit uns gab es nur fünf Fahrgäste, die mit der Shoppinglinie fuhren. Shoppinglinie deshalb, weil der Bus sämtliche Einkaufszentren der Stadt abfuhr. Schon irgendwie witzig.

Am großen Busbahnhof mussten wir aussteigen, eine Treppe hinauf gehen und einen langen Gang entlang laufen. Immer den anderen Leuten hinterher. Erst dachten wir, wir gehen zu Fuß über die Brücke, doch dann passierten wir den Checkout-Schalter. Ausreisestempel in den Pass, fertig. Und den langen Gang wieder zurück zum Bus. Oh wie aufregend. Leider muss man den Bus passend bezahlen, weswegen wir fast das doppelte berappen mussten, da wir ja noch gar kein Kleingeld hatten. Aber was solls. Wir standen, bisher noch ohne Einreisestempel, im Bus im Stau auf der Brücke, die eigentlich eine Straße war und den Fluss trennte.

Kurz vor der Grenze zu Singapur hieß es wieder aussteigen und ab zur Passkontrolle und Einreise. Da erblickten wir die Schilder. Alkohol und Zigaretten dürfen nicht eingeführt bzw. müssen versteuert werden. Na super. Von wegen Kaugummis und Medikamente. Und zu allem Pech hatte ich gleich drei volle Schachteln im Rucksack verteilt, da vergessen herauszunehmen. 17 Dollar hätte die Steuer gekostet. Ein hoher Preis für Zigaretten, die mich in Vietnam gerade mal 0,50 Cent pro Schachtel gekostet haben. Also ließen wir sie vernichten. Mit einem passenden Dokument, welches ich unterzeichnen musste. Dafür durften wir bei der Prozedur live dabei sein. Vor unseren Augen wurde Schachtel für Schachtel mit einem Messer unbrauchbar gemacht. Herrlich.

Kurz nach 11 Uhr betraten wir dann Singapur. Den Busbahnhof kurz hinter der Grenze. Wir stellten uns an eine der vielen Schlangen und warteten bis wir einsteigen durften. In den Bus in die City, zur Queen Street, wo wir dann 12.15 Uhr ankamen. Erster Eindruck? Alles ist straff organisiert und kontrolliert. Der zweite Eindruck? Wahnsinn!

Was für eine Stadt. Moderne, durchdesignte Gebäude. Alles strotzt nur so von Reichtum. Ein überdimensionales Riesenrad erinnert an London. Obwohl ich noch nie dort war, fühle ich mich irgendwie aber auch wie in New York. Ein Fußballfeld mitten auf dem Wasser, davor eine Tribüne mit hunderten Plätzen. Gegenüber trohnt auf einem der zahlreichen Wolkenkratzer ein Schiff. Ja richtig, ein Schiff. Dubai lässt grüßen. Höher, besser und unmöglicher. Ein Paradies für alle Freunde der modernen Architektur. Glas, Beton und Metall dominieren die Stadt. Dazwischen Wasser und viel Grün, akkurat platziert und ordentlich angelegt. Die Luft ist im Gegensatz zu Vietnam recht sauber und Müll sucht man auf dem Boden vergebens. Höchstens ein paar verwelkte Blätter schwirren vom Wind getrieben herum.

Ja, ich bin fasziniert. Nichts erwartet und alles Unvorstellbare bekommen. Gestern noch waren wir in Vietnam, taub vom Lärm und genervt vom Chaos. Was für eine faszinierende, neue Welt.

Gucci, Dior, Fossil. Alle vereint unter einem Dach. In einer Mall. Einem Einkaufszentrum. In dem man mit Gondeln auf einem künstlichen Fluss fahren kann. Luxus. Auch auf der Terrasse auf dem Dach. Eine kleine Grünanlage mit Jazzmusik.

Wir folgen dem etwa 20 Meter hohen Weg durch ein Hotel hindurch, über eine achtspurige Straße hinein in einen Park. Zu dem Park, den wir schon oft auf Bildern und über deren Entstehung wir Dokumentationen im Fernsehen gesehen haben. Gardens by the Bay. Ein Garten mit in die Höhe wachsenden Bäumen aus lilafarbenem Metall. Sein unverkennbares Markenzeichen. Irre. Künstlich, angelegt und doch so überwältigend. Eine Fusion aus moderner Architektur und der Idylle der Natur.

Nach einem Spaziergang durch das Finanzviertel mit seinen wunderbar eleganten, modernen und einfach nur schönen Hochhäusern gingen wir nach Chinatown und besuchten als erstes einen buddhistischen Tempel. Ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens beschlich mich. Dieser Geruch von Räucherstäbchen, all das Gold, der geschmückte Altar. In der Mitte saßen ein paar Mönche und lasen aus einem chinesischen Buch vor. Monoton war ihr Sprechgesang und dabei doch so schön. Thailand bleibt einfach in meinem Herzen.

Dann plagte uns der Hunger und wir ließen uns in einem Restaurant nieder und aßen Hainanese Chicken Rice Balls, zartes Hühnerfleisch mit Reis. Davon hatten wir bereits im Reiseführer gelesen. Eine Speise, die man unbedingt probieren sollte. Nunja. Es war Hühnerfleisch mit Reis. Nicht mehr und nicht weniger.

Um eine Zigarette zu rauchen, stellten wir uns an eine der grünen Mülheimer, die in der Stadt verteilt herum standen. Richtige Raucherbereiche mit auf dem Boden gemalten Linien gab es nicht. Aber an diesen Tonnen versammelten sich die Raucher, denn einfach so auf der Straße war das Rauchen verboten. Eigentlich eine ganz gute Regelung, denn so liegen keine Kippen auf dem Boden und man selbst raucht zwangsweise weniger. Der nächste Schritt für Deutschland? Ich wäre dafür. Auch als Raucher. Die Zigarettenpreise waren übrigens mit über 10 Dollar gepfeffert. Ein weiterer Grund sich von der Angewohnheit zu befreien.

Ach wir waren geflasht. Kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Dort eine riesige Kirche inmitten der modernen Architektur, dort ein vertikaler Garten an einem Gebäude, dann eine Moschee direkt neben einem buddhistischen Tempel. Es gab so vieles, was wir uns gern angesehen hätten, aber die Zeit raste an uns vorbei und unsere Beine wurden immer schwerer.

Es war kurz vor 17 Uhr, als wir auf dem Weg zurück ein 7 Eleven entdeckten. Die Supermarktkette aus Thailand. Zumindest haben wir sie dort kennen gelernt, denn es ist ein japanisches Unternehmen und u.a. auch in Amerika weit verbreitet. Doch mit unserem restlichen Geld war nicht viel zu machen. Selbst ein Wasser kostete 2 Dollar und war damit deutlich teurer als an einem kleinen Kiosk direkt daneben. Ja, Singapur war ein teures Pflaster. Wir kauften uns im Kiosk einen Eiskaffee und gönnten uns eine kleine Pause am Straßenrand. Neben einer dieser grünen Mülltonnen. Jaja, die Raucher.

Unterwegs zurück zum Bus entdeckten wir ein paar Werbetafeln mit den kommenden Veranstaltungen. Was es allein im November an Kultur zu sehen gab war verblüffend. Ein Noise-Musikfestival, ein Healthy Lifestyle Festival, der Cirque du Solei gastierte für ein paar Tage, ein großes Tanzfestival, ein Konzert von Taylor Swift, ein Chrysanthemen Blumenfestival und diverse andere Shows wurden beworben. Ach hätten wir nur mehr Zeit und noch viel mehr Geld gehabt. Auf jeden Fall steht Singapur auf unserer Reiseliste ganz weit oben. Es soll nicht unser letzter Besuch gewesen sein.

Zurück nach Johor Bahru in Malaysia dann das gleiche Prozedere. Erst mit dem Bus zur Grenze, der 17.35 Uhr los fuhr, dann ausgecheckt, weiter über den Fluss nach Malaysia, eingecheckt und mit dem letzten Bus zum KLS Einkaufszentrum, welches fünf Minuten zu Fuß von unserem Hotel entfernt lag. 21.10 Uhr waren wir dann wieder auf dem Zimmer. Dreieinhalb Stunden!! Puh, Wahnsinn. Und das machen täglich tausende von Menschen auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück.

Über elf Stunden waren wir unterwegs und sind gute vierzehn Kilometer durch Singapur gelaufen. Ach, es gäbe noch so viel zu sehen. Den Dschungel, den Zoo, den Stadtteil Little India, den ganze Norden und vor allem Singapur bei Nacht, wenn alle leuchtet. Es muss herrlich sein. Aber wir werden wiederkommen. Für länger als ein Tag. Nur nicht mehr auf dieser Reise.

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