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Mal wieder wurden wir von unserem Wecker geweckt. Diesmal schon um 5 Uhr. Eine gute Viertelstunde später standen wir auf der Straße. Katzenwäsche. Neugierig blickten wir uns um, aber noch war alles dunkel. Wir gingen um die Ecke hinauf zur Hauptstraße und staunten.

Bastmatten lagen exakt ausgerichtet auf dem Bürgersteig. Darauf akkurat nebeneinander aufgestellte bunte Plastikhocker hinter kleinen Reiskörbchen und Tellern mit allerlei Süßigkeiten. Aufgebaute Plätze zum Übergeben der Spenden an die Mönche. Hunderte. Die komplette Straße entlang. Wow.

Frauen liefen umher und verkauften Spendengaben. Reis, in Bananenblätter eingewickelte, undefinierbare Speisen und einzeln verpackte Kekse und Waffeln. An die Touristen. Die immer mehr wurden. Ein Minivan nach dem anderen kam und spuckte sie aus. Wenige Minuten später war die Straße so voll wie abends während des Nachtmarktes. Ein Hotel hatte sogar den kompletten Bereich vor dem Zaun reserviert, damit die dort untergekommenen Touristen an der Zeremonie teilnehmen konnten, zwischen den Einheimischen, die immer hektischer wurden und die Plätze auf den ihren Bambusmatten einnahmen. Die ganze Stadt war versammelt. Massenauflauf bei der Almosenprozession. Unsere Illusion war dahin.

Kaum kamen die ersten Mönche um die Ecke, bewegte sich die Masse auf sie zu. Überall wurden Kameras gezückt. Hilfe! Ich lief die Seitenstraße wieder hinunter zu unserem Hotel in der Hoffnung, abseits der anderen Touristen einen besseren Platz zu finden. Und fand ihn. Winkte Markus herbei und genoss mit ihm die Prozession. Eine lange Schlange in Orange bewegte sich auf uns zu. 40 Mönche oder mehr. Von jung bis alt, von klein bis groß. Alle barfuß, mit rasierten Köpfen, in Tüchern gehüllt und einen Betteltopf vor sich hertragend. Schweigend liefen sie die Straße entlang, hielten an den Ständen an um die Spenden entgegen zu nehmen und liefen weiter. Wie eine Raupe, die ihren Körper schubweise vorwärts bewegt.

Inzwischen waren sie überall. Hunderte Mönche zwischen noch mehr Touristen. Einerseits schön anzusehen, andererseits schon erschreckend, wie kommerziell der Glaube oder das Ritual hier vermarktet wird. Wir liefen etwas durch die Straßen und beobachteten. Waren selbst Touristen der Masse und fotografierten. Bekamen tolle Bilder, waren parallel aber auch sehr glücklich, dieses Ritual schon intimer und authentischer erlebt zu haben.

Die Betteltöpfe füllten sich. Klebereis, Geldscheine und Süßigkeiten, alles durcheinander. Wir beobachteten, wie die Mönche an aufgestellten großen Körben vorbei gingen und einige der Spenden hineinwarfen. Meist Reis, aber auch Kekse und Waffeln. Wieso das? Weil sie es nicht mögen? Weil sie zu viel bekamen? Weil sie die Gaben mit der Bevölkerung teilen wollten? Und vor allem, was passiert mit diesen Resten? Werden sie weggeworfen? Zur morgendlichen Reissuppe verarbeitet, die hier zum Frühstück gegessen wird? Offene Fragen, nach deren Antworten wir noch recherchieren müssen. Das hatten wir bisher noch nicht gesehen. Das war neu.

Als die letzten Mönche wieder in den Wats verschwunden waren, liefen wir zum Morgenmarkt. Ein schmales Gässchen mit Ständen rechts und links, an denen alles was essbar ist verkauft wurde. Mit uns kamen leider auch die Massen. Wahrscheinlich gehört dieser Punkt mit zum gebuchten Ausflug. Es war trotzdem toll. Wir haben inzwischen ja schon unzählige Märkte in Asien besucht, aber immer wieder entdecken wir etwas Neues. Diesmal waren es Schweinebeine. Saubergewaschen und glatt rasiert lagen sie geordnet auf einem der Holztische. Daneben der Rest der Tiere. Fleischberge, Därme und Innereien. Sauber filetiert und schön präsentiert. Nicht so steril wie bei uns in Deutschland gekühlt hinter Glasscheiben. Roh und pur wurde alles auf Holztischen aufgebahrt, vor Ort zerhackt, abgewogen und verkauft.

An einem anderen Stand gab es Waben mit dicken, weißen Maden. Daneben kleine Vögel in Käfigen, die man kaufen kann um sie frei zu lassen. Das sei gut für das eigene Karma. Ein Stück weiter wurden tellergroße Baumpilze verkauft, daneben dicke Fische, Eier und Reis in großen Säcken. Und natürlich allerlei Gemüse. Knoblauch, riesige Karotten, Kräuter, lange Stangenbohnen, Chili und Tomaten. Nicht nur optisch faszinierend, sondern auch ein Mekka der Gerüche. Ein Frischeparadies für alle Selbstversorger.

Doch in unserem Hotel wartete auf uns bereits das Frühstück mit Obst, Rührei, Croissants und Baguettes. Der französische Einfluss ist hier überall zu sehen. Trés Bien!

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