Hoi An - eine Stadt nach unserem Geschmack

Die Sonne wandert ganz langsam in Richtung Horizont. Eine leichte Abendstimmung macht sich breit. Dabei ist es gerade mal nachmittags 4 Uhr. Vor mir löst eine Welle die andere ab. Sie rauschen mir entgegen, so voller Kraft und Energie. Manche brechen schon weiter hinten im Meer, bauen sich wieder auf und krachen, weiß schäumend auf den Strand vor mir.

Es ist ein herrlicher Strand. Traumhaft. Bestimmt 40 Meter breit und einige Kilometer lang. Tonnen feiner, heller Sand. Unglaublich. Unglaublich schön. Und dazu noch menschenleer. Ich sitze unter einem Bambusschirm, gedeckt mit getrockneten Blättern einer Kokospalme, und schaue einfach nur aufs Meer hinaus. Auf die Inseln rechts am Horizont, auf die endlose Weite und auf die im Dunst versinkende Skyline der Stadt mit ihren modernen Bürotürmen links von mir. Ich genieße den stetigen Wind, denn ohne ihn wäre es hier wahrscheinlich nicht lange aushaltbar.

Wenn wir Hunger haben, gehen wir die kleine Böschung hinter uns hinauf direkt auf die Terrasse des kleinen Hauses, auf der ein paar Tische eingedeckt für uns bereit stehen. Den Papayasalat und die frischen Frühlingsrollen können wir empfehlen. Nicht nur leicht und gesund, sondern auch ausgesprochen lecker. Einen Obstteller und Wasser gibt es gratis. Und wenn man ganz lieb fragt, wird einem der Eiskaffee auch hierher an den Strand gebracht. Es ist unfassbar schön.

Wir sind in Hoi An. Eine Stadt, die es uns direkt angetan hat. Alles stimmt, alles ist nahezu perfekt, ohne allerdings perfekt zu wirken. Untergekommen sind wir in einem Homestay, also bei einer Familie Zuhause. In ihrem Haus haben sie ein paar große Zimmer mit eigenem Badezimmer hergerichtet und leben von deren Vermietung. Und wie es das Glück will, haben wir das größte Zimmer bekommen. Das Familienzimmer. Mit breiten, weichen Betten und einem Balkon. Alles toll eingerichtet und möbliert. Ein gutes Zuhause auf Zeit.

Und auch die Stadt ist wunderbar. Nicht zu klein und nicht zu groß. Zweistöckige Häuser, oft aus Holz, süße Gassen und ein großer Markt. Die Stadt der Schneider, denn es gibt unzählige Geschäfte, in denen man sich Sachen auf den Leib schneidern lassen kann. Besonders schön ist die Altstadt. Drei Mal am Tag wird sie für Autos und Motorräder gesperrt. Dann strömen hunderte Menschen durch die Straßen, trinken Kaffee oder schlendern durch die vielen Souvenierläden. Und wir mit ihnen. Am liebsten abends. Denn dann leuchten unzählige Laternen in allen Formen und Farben. Sie werden hier hergestellt, man kann den Leuten bei der Arbeit zusehen. Zufällig, auf einer unserer Entdeckungstouren abseits des Reiseführers, hinter einem leerstehenden Tempel versteckt, haben wir eine Werkstatt gefunden. Aus schmalen Holzstäbchen wird erst das Gestell gebaut und dann der Stoff rüber gespannt. Eine heiden Arbeit, für die man gute Fingerfertigkeiten benötigt. Und erneut hat uns der Preis schockiert. Handarbeit made in Vietnam: 2 Dollar. Für eine Laterne! Zu diesem Preis bekommt man sowas nicht mal bei IKEA.

Wer in die Altstadt möchte, muss sich dafür ein Ticket kaufen. So etwas haben wir bisher nur in Vietnam gesehen. Dörfer und Orte die Eintritt kosten. Und trotzdem wohnen dort ganz normal die Leute. Zumindest bekommt man hier für sein Geld noch einen Gutschein für fünf der vielen Sehenswürdigkeiten, die man sich selbst aussuchen kann. Traditionelle Häuser, alte Versammlungsstätte, Museen und Tempel. Allesamt ganz winzig klein. Aber irgendwie passend zur Stadt. Wir haben uns für zwei Wohnhäuser entschieden, denn die traditionelle Architektur verzückt uns. In Hanoi haben wir sie in einem Museum kennen gelernt. Hier dagegen besucht man bewohnte Häuser. Ein paar private Räumlichkeiten sind nicht zugänglich, aber man bekommt einen guten Eindruck des Aufbaus dieser Anwesen. Zur Straße hin befindet sich der Laden. Das Geschäft. Dahinter gibt es einen offenen Teil ohne Dach, der zur Belüftung dient, aber immer noch zum Haus gehört. Hier steht oft auch ein Schrein oder ein kleines Wasserbecken, in dem Fische umher schwimmen. Dahinter sind dann die Schlafzimmer und ganz am Ende, wieder ein offener Bereich, die Küche und die Toiletten. Das Ganze meist auf zwei Etagen, mit kleinen Balkonen und manchmal auch einer Terrasse nach hinten raus. Ich glaube man muss es sehen, in solch ein Haus hineingehen und die Atmosphäre spüren, um unsere Begeisterung zu verstehen. Sie sind wirklich ganz schnuckelig und durchaus auch praktisch konzipiert. Und man sieht sie überall. Eigentlich braucht man nur in ein Geschäft zu gehen und steht mittendrin. Der Aufbau ist grob immer gleich.

Abends, wenn es dunkel ist und die vielen Laternen in den Bäumen und vor den Häusern leuchten, füllen sich die Straßen unten am Flussufer. Aus den Cafés werden dann Restaurants und Bars. Viele Leute setzen sich mit ihren Getränken aber auch einfach auf den Bordstein oder die Brücke, die auf die angrenzende kleine Insel führt. Auf dem Wasser treiben dann kleine, leuchtende Papierboote umher. Eigentlich sind es vielmehr kleine Pappschachteln mit einer Kerze drin. Man kann sie kaufen und ins Wasser stellen, das soll Glück bringen. Auf jeden Fall sieht es unheimlich toll aus und verbreitet fast eine Stimmung wie in Deutschland zu Weihnachten. Die Akustik ist irgendwie gedämpft, hier und da kommt Musik aus den Geschäften und die Leute wirken alle so zufrieden. Ja, zufrieden beschreibt die Stimmung am besten. Ganz wunderbar. Schnuckelig.

Umgeben ist die Stadt von einer Flusslandschaft, die sich bis zum Meer hinaus zieht. Als Fortbewegungsmittel haben wir das Fahrrad gewählt. Zumindest, um zum Strand zu fahren. Durch die vielen Felder und kleinen Siedlungen mit ihren süßen Vorgärten, in denen Zwiebeln, Kräuter und auch Reis angepflanzt wird. Und überall sieht man Wasser. Angelegt als Seen, angestaut auf Feldern und natürlich in den vielen Flüssen, die sich hier durch das Land ziehen und große und kleine Inseln bilden. Man fährt auf geteerten Straßen, alten Betonwegen oder schmalen Trampelpfaden aus Gras und Sand. Schaut auf Friedhöfe, die mal mehr und mal weniger gepflegt sind, auf Büffel, die zusammen mit den Vögeln sich auf den Feldern satt essen und auf kleine Dörfer am Wasser, die von der Fisch- und Krabbenzucht leben. Ganz bezaubernd die Natur hier. So idyllisch.

Als wir gestern durch die Stadt liefen, kamen wir an einem Haus vorbei, in dem reges Treiben herrschte. Leute schaufelten irgendetwas mit Müllschippen in große Holzkisten. Etwas, das wie riesige Holzspäne aussah. Erst dachte ich, es sei Verpackungsmaterial und suchte nach dem, was damit verpackt war. Doch wir trauten uns hinein und erkannten den Schatz. Schwalbennester, von denen wir in Kambodscha erfahren haben, als wir uns wunderten, wieso die Leute tausende Vögel in ihren Dachgibel hielten. Da lagen sie, zu hunderten. Ein Vermögen! Kiloweise! Sie wurden gerade für den Transport verpackt. Zehn Minuten später war alles vorbei und nichts mehr von ihnen zu sehen.

Am gleichen Tag entdeckte Markus ein weiteres Highlight. Hinter einem offenen Tor, am Ende eines zugemüllten Grundstückes stand eine alte Wand eines Tempels. Ein Stück Mauer, welches von einem Bambusgerüst gestützt wurde und einzustürzen drohte. Krumm und schief, aber gut erkennbar mit den verzierten Fenster und Türöffnungen. Für viele vielleicht nichts Besonderes, für uns aber ein toller Fund. Er sah nicht nur toll aus, es war ein wenig, als hätten wir ein Stück aus einer alten Zeit entdeckt.

Ach, wie wir die Zeit hier genießen. Markus ist gerade wieder im Wasser, lässt sich mit den Wellen umhertreiben. Schwimmt auf sie hinauf und verschwindet dahinter im Meer. Immer wieder. Dieser Ort hat uns angesteckt. Wir sind zufrieden. Glücklich. Wie schon so oft auf dieser Reise.

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