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Pünktlich um 21 Uhr holte uns der Sleeping Bus ab. Direkt vor dem Hotel. Was für ein Luxus. Und irgendwie war dieser Schlafbus komfortabler als die letzten. Die Decken waren sauber, dufteten nach Waschmittel und die Sitze schienen auch besser gefedert zu sein. Vielleicht lag es aber auch einfach nur daran, dass der Bus diesmal nicht ganz so voll war. Niemand musste auf dem Boden in den Gängen schlafen. Nein, es waren sogar noch Betten frei. Wunderbar also, denn es lagen acht Stunden Fahrt vor uns.

Irgendwann, wir waren schon aus der Stadt raus, wunderte mich ein wenig über unsere Geschwindigkeit, denn normaler Weise fahren die Busse hier recht zügig und hupen die anderen Autos von der Spur um voran zu kommen. Wir jedoch wurden sogar von sämtlichen LKWs auf der Straße überholt. Mal stoppten wir kurz, dann ging es im Schneckentempo weiter. Aber ich kümmerte mich darum, schließlich gab es immer wieder irgendwelche Vorkehrungen die ich nicht verstand.

Doch dann hielten wir mitten in der Nacht an einer Werkstatt an. Reifenpanne. Aha. Ich stieg mit ein paar anderen Fahrgästen aus, Markus blieb drin und versuchte weiter zu schlafen. Draußen herrschte etwas Aufregung, ja sogar Hektik. Ein seltenes Bild bisher. Der Bus wurde aufgebockt, ein Reifen gewechselt, ein anderer aufgepumpt und nach etwa 15 Minuten ging es weiter. Diesmal im gewohnt zügigen Tempo.

Irgendwann weckte mich Markus. Der Bus stand vor einem Hotel, eine Leuchtreklame blinkte durch die Fenster, der Rest draußen war noch stockdunkel. Niemand sagte uns etwas. Mal wieder. Die meisten schliefen tief und fest weiter. Doch Markus hatte glücklicher Weise eine Eingebung, schaute auf sein Handy und machte dank Wlan im Bus unseren Standort aus. Phong Nha. Wir waren also da. Mussten schnell aussteigen, bevor der Bus weiter in die nächste Stadt fährt. Wie viele Leute wohl unbemerkt zu weit fuhren?

Es war 5 Uhr morgens. Wirklich viel geschlafen hatten wir nicht. Wir liefen rüber zu unserem Hotel, welches nur 20 Meter von der Bushaltestelle entfernt war. Ob wir so früh schon unser Zimmer beziehen können? Gott sei Dank, ja. Das Zimmer wurde gerade gereinigt, wir sollten etwa eine Stunde warten. Wieder Glück gehabt. Denn normaler Weise kann man erst gegen 14 Uhr einchecken. Hier war man auf den morgendlichen Nachtbus aber eingestellt. Toll. Alles organisiert. Und zudem hatten wir mal wieder einen kleinen Balkon ganz für uns. Perfekt.

7 Uhr gab es dann Frühstück. Auch super organisiert. Dafür gibt es am nächsten Tag keines, da die meisten mit dem gleichen Bus dann weiter fahren. Also 5 Uhr. Es gab Ei, Baguette und Bananen. Dazu einen kräftigen Kaffee. Genau das Richtige nach solch einer kurzen Nacht. Und statt uns ins Bett zu legen, haben wir uns ein Motorrad ausgeliehen und sind direkt los gefahren, bevor sich die Touristenmassen auf den Weg machen. Zudem lieben wir die morgendliche Stimmung.

Erstmal zur Tankstelle, die sich leider nicht links runter auf der rechten Seite befand, wie uns beschrieben wurde, sondern rechts runter auf der linken Seite. Egal. Es war eine einsame Säule, in die Markus erst das Benzin aus einem Kanister reinpumpen musste, bevor er dann unseren Tank füllte. Gefühlte zehn Minuten tröpfelte das Benzin in unser Motorrad. Ein paar Tropfen gingen sogar daneben, da der Schlauch nicht ganz dicht war. Die Besitzerin stand mit einem Kind auf dem Arm neben uns und schaute zu. Wir bezahlten einen völlig überteuerten Preis und fuhren wieder zurück, denn unser Ziel war wiederum rechts runter, immer geradeaus, also genau in die entgegengesetzte Richtung. Auch egal, denn wir fuhren durch eine wunderschöne Landschaft, die man durchaus auch in Deutschland finden kann. Braune Kühe grasten auf den abgeernteten Feldern, ein kleiner Bach rauschte mit uns neben der Straße entlang und im Hintergrund grüne Berge und Felsen. Ja so eine Fahrt mit dem Motorrad durch die Natur hat schon was. Vor allem morgens, wenn man die ganze Straße für sich allein hat. Wir genossen es.

Nach ungefähr 20 km erreichten wir dann unser Ziel. Die Paradieshöhle. Oder besser gesagt einen riesigen Parkplatz. In der Hauptsaison scheint also ordentlich Betrieb zu sein. Überall waren kleine Verkaufsstände aufgebaut, die allerdings einsam und menschenleer waren. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Die Touristenbusse waren anscheinend noch unterwegs.

Das Ticket zur Paradise Cave war eine Plastikkarte. Wow, wie modern. Wieder ein Zeugnis davon, wie viele Touristen hier normaler Weise durchgeschleust werden. Alles war perfekt für einen reibungslosen, schnellen Ablauf organisiert. Wir steckten unsere Karte in ein Drehkreuz und traten ins Gelände. Unmengen von kleinen Autos standen rum. Kleine Elektrowagen, wie man sie vom Golfen kennt, um von Loch zu Loch zu fahren. Für ein paar Dollar kann man sich bis zum Fuße des Berges fahren lassen. Wir entschieden uns für einen Spaziergang. Einen sehr langen Fußmarsch, wie wir feststellen mussten. Unser Frühsport. Mitten in der Natur.

Am Berg oder besser gesagt Felsen angekommen, ging es dann einen 500 Meter langen Weg steil bergauf. 500 Meter klingt wenig. Aber bergauf ist es dann doch weiter als man denkt. Total übermüdet, kaputt, aus der Puste und mal wieder von Schweiß durchnässt, waren wir endlich da und stiegen die ersten Stufen hinab in die Cave. Ein kalter Luftschwall kam uns entgegen. Sich jetzt bloß nicht erkälten. Doch diese Gedanken waren schnell dahin. Wow. Was für ein Anblick. Mit solch einer Größe hatten wir so gar nicht gerechnet. Hoch, groß und über 30 Kilometer lang. Eine Riesenhöhle. Irre. Zwar war nur ein Bruchteil der gesamten Länge für Besucher zugänglich, aber schon dieser Bereich beeindruckte uns sehr. Stalaktiten  und Stalagmiten wohin man sah. Große und kleine, oft zu Säulen und ganzen Vorhängen verschmolzen. Kleine Seen, die durch das klare Wasser und die glatte Oberfläche einen gestochen scharfen Spiegel bildeten. Ein wahres Wunder der Natur. Und immer wieder beeindruckte uns diese gewaltige Größe. Einen Kilometer liefen wir tief hinein, bis der offizielle Weg endete. Liefen durch Kathedralen und Räume, immer weiter über Treppen und Wegen, gebaut aus Holz, welches feucht und stellenweise auch ganz schön glatt war. Bewunderten das ganze Ausmaß und die beleuchteten Steinformen, die teilweise wie Elefanten oder andere Tiere aussahen. Es war wirklich unbeschreiblich schön. Imposant. Kaum vorstellbar, dass die Höhle über 30 Kilometer lang sein soll.

Wieder draußen schlug uns sofort die Hitze entgegen. Wir setzten uns auf einen der vielen aufgebauten Stühlen, schauten zu den immer mehr werdenden Touristengruppen und ließen unsere Eindrücke erstmal sacken.

Wieder unten am großen Parkplatz angekommen, überkam uns bei einem kalten Getränk erneut die Müdigkeit. Drei weitere Höhlen hätten wir uns noch ansehen können, entschieden uns aber zurück zum Hotel zu fahren. Wir wollten keinen Vergleich. Weder eine andere schönere noch eine kleinere Höhle sehen. Zudem hatte ich etwas Sorge mit meinem Schlafmangel, schließlich war der Weg zurück etwas länger, da wir nicht den gleichen wieder zurück, sondern einen Rundweg fahren wollten. Und es war eine super Entscheidung. Einsame, verlassene Straßen. Mal gut geteert, mal mit rutschig voller Splitt. Vorbei an hohen Felsen und durch die Schatten der Bäume. Dazu dieser Geruch von Heu und Tieren. Wir haben uns ganz fest vorgenommen, nach unserer Rückkehr nach Deutschland viel mehr zum Spazierengehen ins Umland zu fahren. Mehr Natur zu schnuppern. Sich wieder mehr zu bewegen. In der Zeit unseres Cafés war uns dies ja leider nicht gegönnt.  Den Rest des Tages verbrachten wir dann auf unserem Zimmer. Schliefen, gingen zum Abendessen kurz raus, schauten ein paar Filme auf unserem Laptop und schliefen wieder, bis um halb 4 nachts der Wecker klingelte.

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