Bitte nicht kneifen!

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Alles was ich höre ist das Rauschen der Wellen. Immer und immer wieder finden sie ihr Ende direkt vor meinen Füßen. Weiß schäumt das Wasser und breitet sich auf dem flachen Sand aus, tastet sich vor, weiter und weiter, mir entgegen. Bevor es sich wieder zurückzieht, aufgesogen wird, vom riesigen Meer, hinein in die endlose Weite.

Da rollt auch schon die nächste Welle heran. Etwas größer. Mit etwas mehr Kraft. Voller Energie. So faszinierend. Meine Zehen berührt sie allerdings nicht. Ich hab sie in sicherer Entfernung in den feinen Sand vergraben. Mit angewinkelten Beinen sitze ich auf dem Reisehandtuch, welches sich wie ein großer Viledalappen anfühlt und klitzeklein gefaltet werden kann. Ideal für eine solche Reise. Und am Horizont färbt sich die Sonne ganz langsam rot, nimmt dabei die wenigen Wolken um sich herum mit, taucht alles in ein warmes Licht und wandert Stück für Stück den kleinen Inseln dahinten entgegen. Ich halte inne. So schön ist dieser Moment. Kitschig-schön. Mit allen Sinnen genieße ich den Augenblick. Salzig schmecke ich das Meer auf meinen Lippen.

Vor ein paar Stunden noch umgab mich diese Leere. Entspannt sind wir aufs Moped gestiegen, auf der Suche nach einem kleinen, einsamen Strand zum Ausruhen und Entspannen. Und wir haben ihn gefunden. Und noch so viel mehr.

Meine Augen füllten sich mit Tränen und begannen wieder zu funkeln. Zu leuchten. Denn es kam mir vor wie ein Traum. Hätte mir jemand versichert, ich sei auf den Malediven, ich hätte es geglaubt. Wir befanden uns mitten in einer Georeportage. In einem Hochglanzmagazin, gedruckt auf schwerem Seidenpapier.

Tut mir leid, ich musste kurz unterbrechen und in’s Wasser gehen. Zwar hatte ich bisher noch nie den Wunsch bei Sonnenuntergang zu baden, aber wohl nur, weil ich nicht wusste wie wunderbar es ist. Aber ich bin wieder da. Wo war ich stehen geblieben? Achja.

Wir standen auf einer kleinen Anhöhe, hinter uns die holprige Sandstraße. Rechts und links von uns Palmen, hinter uns der Dschungel. Wir blickten auf die kleine Bucht nach unten. Gefüllt mit türkisem Wasser. Und einem langen Steg, der ein ganzes Fischerdorf auf sich trug und an dessen Ende sich ein kleiner Leuchtturm befand. Drum herum feine, kurze Strandlinien, wie mit einem feinen Pinsel gezeichnet. Dahinter die Berge, überwuchert mit Grün und leuchtend in der Sonne. Und mitten auf dem Wasser ein kleines Boot, welches mit den Wellen schaukelnd, einsam vor sich hin trieb. Wer auch immer es dort verankert hatte, es war die richtige Stelle. Für das perfekte Bild. Für den Traum der Ferne, in dem ich mich gerade befand. Ich war sowas von geplättet. Bitte nicht kneifen, nicht aus Versehen aufwachen müssen.

Natürlich mussten wir zu einem der kleinen Sandstrände, die Badesachen griffbereit im Rucksack. Also rüber zur anderen Seite und von der Straße aus ab durchs Grün Richtung Wasser. Durch die Büsche. Vorbei an 5 cm dicken Ameisenstraßen, auf denen gerade Verkehr wie zur Rushhour herrschte. Und vorbei an den unsichtbaren Netzen, die in der Luft hingen, mit ihren Erbauern thronend in der Mitte. Spinnen, groß wie Handflächen. Ungelogen! Wie zwei kleine Mädchen duckten wir uns und schoben allein beim Anblick dieser Untiere Panik. Das plötzliche Aufkreischen konnten wir nur mit Mühe und Not unterdrücken. Ein Graus! Und der einzige Makel auf dieser herrlichen Insel. Und als wäre es nicht schon genug Überwindung, mussten wir sogleich den ganzen Weg wieder zurück zur Straße. Denn es war der falsche und führte zu dem steinigen Abschnitt des Strandes.

Aber schon eine Ecke weiter waren wir am Ziel. Und das sogar fast allein. Bis auf das kleine Restaurant und die beiden Besucher niemand zu sehen. Allein und verlassen. In dieser Bilderbuchwelt. Und doch zugleich so voller Glück. Was für eine traumhaft schöne Insel. Welch Segen, dass es uns jetzt hierher verschlagen hat. In der Low Saison, wie sie hier sagen. Zu einer Zeit, in der die langen Straßen und Strände leer sind. Unbeschreiblich!

Und hätten wir unsere Unterkunft nicht schon für die nächsten neun Nächte gebucht, wir hätten ein paar davon in diesem kleinen Fischerdorf verbracht. Auf dem Steg. In einem Holzbungalow auf Stelzen. Mitten im Wasser. Wir hätten im Luxus geschwelgt. Mit Blick auf die Bucht, umrahmt von ein paar Booten. Hätten mit Cocktails in den Händen auf einer der schicken Holzterrassen gesessen. Hätten uns auf den edlen Rattanliegen gerekelt und auf die gegenüberliegenden kleinen Inseln geschaut. Ganz allein.

Und das Beste ist, wir können doch einfach machen. Wieso auch nicht? Schließlich sind wir im Urlaub. Und wehe plötzlich klingelt irgendwo ein Wecker…

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4 Comments

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  1. Drei Wochen lang kam ich nicht zum Lesen eures wundervollen Blogs.

    Wow! Ich war mal eben in Thailand. Habe mir einen Green Milk Tea gegönnt, bin mit dem Moped auf der linken Seite der Straße gefahren und war Sonnencreme einkaufen. Nur mit euch quatschen, das habe ich irgendwie nicht geschafft. Dabei wäre das jetzt der Punkt auf dem ‚i‘ dieser Reise gewesen.
    Na dann aber hoffentlich bald einmal! Zwar wahrscheinlich in Berlin, aber vielleicht trotzdem mit einem Eis-gekühlten Getränk…

    Fühlt euch gedrückt! Wir lesen und lesen! Und auch die Kids freuen sich über jedes neue Bild!

    • Markus & Felix

      10. Juni 2015 — 10:50

      Lach, ist doch auch mal was anderes. Thailand in einer Stunde. Das Kompaktprogramm für Insider. Verkaufbar in alle Welt, denn ohne persönlichem Gespräch. Das bekommen im Anschluss an die Reise dann nur ganz besondere Menschen. Du auch gern. Wann und wo wird sich zeigen. Bisher ist ja glücklicher Weise noch nicht mal Halbzeit.
      Grüß die Kinder von uns beiden und schau in drei Wochen mal wieder vorbei,
      Felix & Markus

  2. HERRLICH!!! Genießt es! Und im Übrigen: Urlaub vom Urlaub auf einer Reise ist TOTAL richtig – und wichtig. Aber das wisst Ihr ja mittlerweile auch. Alles Liebe aus der Heimat… Anja

    • Markus & Felix

      10. Juni 2015 — 10:45

      Anja, unsere Inspiratorin, unser heimliches Vorbild!
      Ja, wir hatten auch kein Stück schlechtes Gewissen, als wir uns zum Urlaub entschieden haben. Toll, dass du es nachempfinden kannst. Oder wir wohl eher dir. Wir trinken eine Praline auf dich. Heute Abend. Versprochen!
      Liebste Grüße!!
      Markus & Felix

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