Bald endende Freiheit

Eine gute Woche haben wir in Surat Thani verbracht. Und gesehen haben wir eigentlich nichts von der Stadt. Die Trägheit hat uns erwischt. Die Freiheit nichts zu tun hat sich ausgebreitet. Vielleicht waren wir auch einfach nur faul. Aber wir haben es genossen.

Ja, wir waren am Fluss beim Lichterfest. Sind kurz durch die Innenstadt gelaufen und haben den Nachtmarkt besucht. Auch sind wir am Busbahnhof gewesen, allerdings auch nur, um unsere Weiterreise zu organisieren. Die restliche Zeit waren wir im Hotel. Haben uns morgens zum Frühstück raus auf die Terrasse gesetzt, im Internet gestöbert und Kaffee getrunken und sind erst abends wieder auf die Straße, um unser Abendessen zu holen. Ansonsten haben wir auf unseren Handys gespielt und Serien auf unserem Laptop gesehen. Und trotzdem waren wir zufrieden. Hatten alles, mussten nichts tun, konnten herumhängen und die Zeit laufen lassen.

Eigentlich wollten wir mit dem Bus weiterfahren. Richtung Bangkok. Mit ein, zwei Zwischenstopps. Doch zufällig haben wir eine Werbeaktion von Lion Air entdeckt. Einen Flug direkt in die Hauptstadt für 15 € inklusive Steuern, Gepäck und Verpflegung. Und wieder war es die Bequemlichkeit, die uns umgestimmt hat. Wir buchten den Flug.

Sind wir mal wieder in einem Reiseloch? Nicht wirklich. Eher ist es das Ende, welches sich in unseren Köpfen ausbreitet. Sind wir ausgepowert? Kann nicht sein. Schon gar nicht nach den wunderbaren Tagen auf der Insel mit Anja. Haben wir Heimweh? Vielleicht ein wenig. Wobei Heimweh nicht das richtige Wort dafür ist. Wir freuen uns auf Zuhause. Auf das Wiedersehen mit der Familie und unseren Freunden. Auf das Bleiben an einem Ort. Auf das Herrichten unserer Wohnung, das Schaffen eines gemütlichen Heims. Auf das Ankommen. Das Zurückkommen.

Und parallel habe ich ein mulmiges Gefühl. Sträube mich auch etwas davor zurückzukehren. Denn was bedeutet zurück? Möchte nicht in alte Strukturen und Muster. In ein geordnetes Leben, welches mit dem Wecker beginnt und auf der Couch vor dem Fernseher endet. Möchte die Freiheit nicht missen. Die Einfachheit des Lebens. Die Freundlichkeit und Zufriedenheit der Menschen um uns herum.

Ich habe den Winter immer geliebt. Konnte mir nicht vorstellen irgendwohin auszuwandern, um der kalten Jahreszeit zu entfliehen. Inzwischen möchte ich nicht mehr raus aus dem ewigen Sommer. Über acht Monate sind wir mit kurzen Hosen und Flip Flops herum gelaufen. Haben unsere Zeit immer draußen verbracht, an der Luft, auf der Straße, mitten im Leben. Selbst an den Regen hatten wir uns gewöhnt und ihn gelassen über uns hinweg ziehen lassen. Wobei wir immer noch nicht wirklich fassen können, wie wenig wir trotz Regenzeit davon abbekommen haben. Wie wird es also sein, eingepackt in dicken Pullovern und Jacken durch Matsch zu laufen? In graue, schlecht gelaunte Gesichter zu blicken und umgeben von Pünktlichkeit und Hektik zu sein? Wie leistungsorientiert sind wir eigentlich noch? Wie wichtig ist uns Erfolg und Anerkennung inzwischen? Es ist ein komisches Gefühl.

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6 Comments

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  1. Erst jetzt habe ich mitbekommen, es wird endlich wahr…ihr kommt zurück?? Ich freue mich sehr auf euch. Es wird mit Sicherheit eine Umstellung, aber so viele lächelnde Menschen freuen sich schon so sehr auf euch.
    Habt noch eine schöne Restzeit.

    Bis ganz bald
    Anna

    • Hallo Anna,

      ja, die Uhr tickt. Wir genießen unsere letzten Tage sehr, freuen uns aber auch schon auf Berlin. Auf ein Wiedersehen. Auf den alten Kiez.

      Genieß die Vorweihnachtszeit und auf ganz bald!!

      Markus & Felix

  2. Danke für Deine, Eure Gedanken. Danke für diesen wunderbaren blog.
    Manchmal möchte ich dieser Tristesse um mich herum auch einfach entfliehen. Wenn es ganz arg wird verkrümele ich mich ins Atelier, entwerfe neue Marionetten, modelliere und baue- und dann geht es mir gleich besser.
    Wünsche Euch von Herzen noch ein paar schöne Tage und eine Rückkehr, die Euch dann doch ein wenig froh und versöhnt mit dem grauen Einerlei hier wiederkehren lässt.
    Lieben Gruß
    Wolfgang

    • Danke, danke fürs immer wieder Lesen! Wir sollten uns wohl als Hobby dem Marionettenbau widmen, grins. Tristesse, was für ein Wort. Lange nicht benutzt, überhaupt nicht mehr im Kopf gehabt. Tristesse in Thailand gibts für uns nicht. Müssen wir uns drauf vorbereiten, haha. Aber wir freuen uns auf leere und weihnachtlich geschmückte Straßen, wenn wir Heilig Abend nach Hause fahren. Ein wenig Ruhe und Gemütlichkeit, um uns zu akklimatisieren. Wird schon.

      Viele Grüße aus Bangkok,
      Markus & Felix

  3. Oh ihr Lieben wir freuen uns sehr auf Euch. Doch kann ich die Sorge die du hast gut verstehen ? viel wird sich wieder einschleichen und das Korsett der Strucktur wird euch wieder angelegt. Doch auch das werdet ihr nur langsam mit bekomm. Die Einfachheit in Asien ist hier nicht möglich? und viele Gesichter sehr mürrisch, doch kommt es darauf an wie ihr darauf antwortet!!! ? Lachend oder ? Mürrisch!!! Ich beneide euch immer noch um die schöne Zeit die ihr euch raus nehmen konntet. Doch ein Glühwein bei 20• schmeckt einfach nicht ?!!!! Bis bald ihr Lieben fühlt euch gedrückt und geherzt????

    • Haha, na da hast du recht. Glühwein im Sommer kommt nicht so gut. Aber Iced Green Milk Tea im Winter auch nicht 😉 Hat alles seine Vor- und Nachteile. Wir werden sehen, was passiert. Freuen uns ja auch, so ist es nicht. Vielleicht ist es auch einfach nur das Ungewisse?

      Seid ganz lieb gegrüßt. Und zwar ihr alle. Und bis ganz bald!
      Markus & Felix

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